"Marsch des Lebens" in Freiburg: Erinnerung an die Deportation der Freiburger Jüdinnen und Juden

Erinnerung an die Deportation der Freiburger Jüdinnen und Juden

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"Marsch des Lebens", Freiburg, 10. 05. 2018
"Marsch des Lebens", Freiburg, 10. 05. 2018
Quelle: 
RDL

Am Donnerstag fand der "Marsch des Lebens" in Freiburg statt. "Gegen Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit", so das Motto der Demonstration, das auch auf dem Fronttransparent zu lesen war. Die Initiative zum "Marsch des Lebens" stammt aus einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Tübingen und hat sich von dort aus seit 2007 in zahlreiche Städte in Europa, Nord- und Südamerika verbreitet. Am 15. Mai ist auch ein Marsch des Lebens in Jerusalem geplant. Auch in Freiburg wurde der Marsch des Lebens, der dieses Jahr zum ersten Mal stattfand, von der freikirchlichen Christengemeinde veranstaltet. Doch er gestaltete sich nicht primär als religiöse Veranstaltung dieser Gemeinde, sondern es nahmen auch Mitglieder der jüdischen Gemeinden teil und am Startpunkt des Marsches, im Hof der Hebelschule am Stühlinger Kirchplatz, stand die Erinnerung an die Freiburger Geschichte im Mittelpunkt. Dieser Ort war am 22. Oktober 1940 einer der Sammelpunkte, an denen Freiburger Jüdinnen und Juden auf ihre Deportation warten mussten. Ihrer wurde mit zahlreichen Beiträgen gedacht. U.a. beschrieb Gabriela Schlesiger die Deportation 8:52. Drei Schüler der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule verlasen die Namen der ermordeten Freiburger Jüdinnen und Juden 15:01. Allein sie zu nennen dauerte eine Viertelstunde. Felix Rottberger schilderte die Schicksale des Lederwarenhändlers Max Mayer 3:41 und des Anwalts Robert Grumbach 2:58, die trotz Verfolgung beide überlebten, und von Therese Löwy 28:53, die sich unmittelbar vor ihrer Deportation das Leben nahm. Während des Marsches hat Felix Rottberger über den Marsch und dessen Bedeutung für ihn im Interview Auskunft gegeben 3:16. Am Platz der Alten Synagoge sprachen u.a. Irina Katz vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde und zwei Frauen, deren Vorfahren im Nationalsozialismus tragende Funktionen innegehabt hatten: Die Enkelin eines Mannes, der an der Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht beteiligt war, sowie die Nachfahrin einer Familie, deren Mitglieder in der Freiburger NS-Bürokratie Funktionen hatten. Beide drückten ihr Bedauern und ihren Wunsch nach einem offenen Umgang mit diesen schuldbehafteten deutschen Familienbiographien aus.