1936 malte Theodor Kammerer im Auftrag der auf NS-Stadtverwaltung ein Bild für das neu errichtete Verkehrsamt am Rotteckring in Freiburg: Darauf ein Schwarzwaldidyll mit Tannen, dem Titisee und tropischen Pflanzen. Auffällig daran sind die vielen Frauenakte; wir sehen ausschließlich junge, gesunde, weiße Körper. Im Zentrum steht das Motiv Das Urteil des Paris. Dem griechischen Mythos zufolge sollte Paris unter den Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene die Schönste auswählen. Er fällte sein Urteil - und löste damit den Trojanischen Krieg aus.
Die Vorstudie des Bildes mußte Kammerer auf Anweisung des Oberbürgermeisters Franz Kerber korrigieren: Da ein älteren Mann mit Stock sowie nicht-weiße Menschen abgebildet und Männer und Frauen auf Augenhöhe dargestellt waren, entsprach es nicht der dem nationalsozialistischen Schönheits- und Körperideal und dem faschistischen 'Rassenideal'. Auch die Kunst mußte auf Linie sein. Schließlich sollte jede Person, die erstmals in Freiburg weilte und diese Art Tourist*inneninformation betrat, gleich zu Beginn auf eine nationalsozialistische Stadt eingestimmt werden.
Bei der Entnazifizierung wurde das neun Meter breite Gemälde übersehen, in den 1980er Jahren hinter einer Wand versteckt, schließlich 2023 bei den Umbauarbeiten für das neu gegründete Dokumentationszenetrum Nationalsozialismus Freiburg (DZNS) freigelegt und ist nun Teil der Ausstellung - wenn auch partiell verdeckt, um die faschistische Weltanschauung, die auch die Kunst durchaus beeinflußte, nicht unreflektiert zu reproduzieren.
Wir werfen mit Nadine Geyersbach, Victor Calero, Jana Baldovino, Kei Muromoto und den methusalems, dem Senior*innentheater einen Blick hinter die Fassade. Sie zeigen uns "Risse, Falten, Ausschluss und Verbrechen" (Theater Freiburg).....
- Die nächsten Vorführungen:
- Do, 24.09.2026 17:45–19:15 Uhr Stadtraum
- Sa, 26.09.2026 14:45–16:15 Uhr Stadtraum
- Mo, 28.09.2026 17:45–19:15 Uhr Stadtraum
Treffpunkt jeweils 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer Großes Haus

