Rezension: Felix Blom – Mord an der Spree geschrieben von Alex Beer, erschienen im Limes Verlag 2025

Felix Blom – Mord an der Spree geschrieben von Alex Beer, erschienen im Limes Verlag 2025

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Felix Blom – Mord an der Spree geschrieben von Alex Beer, erschienen im Limes Verlag 2025 und rezensiert von Hardy Vollmer 

Das ist ein wirkliches Pech für Privatdetektivin Mathilde Voss. Eben winkte noch ein lukrativer Auftrag und kurze Zeit später sitzt sie im Berliner Gefängnis Moabit mit einer zweifachen Mordanklage am Hals. Die Beweislage ist erdrückend. Für die Polizei ist der Fall klar. Staatsanwalt und Gericht entscheiden schnell: Tot durch das Henkersschwert. Nur einer kann noch helfen, Ihr Partner Felix Blom. Aber der hat nur noch drei Tage Zeit, bis das Urteil vollstreckt wird.

Man merkt schon, der neue Roman von Alex Beer, in dessen Mittelpunkt erneut die Detektei Voss/Blom steht, fesselt durch eine rasante Dramatik. Schon im zweiten Band der Reihe fieberten die Lesenden den immer neuen Spuren und Ereignissen hinterher, die schließlich, im dramatischen Höhepunkt, zu der Verhinderung des Attentats auf den deutschen Kaiser führte.

Auch in dem neuen Band „Mord an der Spree“, jagen wir atemlos mit Felix Blom durch das preussische Berlin. In üblen Spelunken, düsteren Hinterhöfen, aber auch in den Villen der reichen Aristokratie folgen wir Felix Blom auf der Suche nach einem Phantom. Der wirkliche Mörder versteckt sich hinter verschiedenen Namen und Gesichtern. Er spielt mit Blom ein perfides Spiel. Spuren werden bewusst in falsche Richtungen gelenkt, der Gegner scheint übermächtig. Felix Blom irrt ohnmächtig durch das dunkle Berlin und der Tag der Hinrichtung rückt immer näher.

Alex Beer gelingt es eindrücklich, diese hoffnungslose Stimmung ihrer beiden Helden auszudrücken. Mathilde Voss, die ehemalige Hure, die zur Detektivin wurde, kennen wir aus den bisherigen Romanen als lebenslustige Frau, die gerne zur Zigarre greift und Probleme immer mit einer guten Portion Lebenserfahrung löst. Doch diesmal scheint ihre Situation aussichtslos. Lasst alle Hoffnungen fahren, heißt es bei Dante, als es in die Hölle geht. Und so geht es Mathilde als sich die Zellentür hinter ihr schließt: 

„Mathilde ließ sich auf das harte Lager sinken, die Tür wurde abgeschlossen. Absolute Stille umfing sie wie ein unsichtbares Tuch.  Sie hatte von dieser Ruhe gehört, aber erst jetzt verstand sie, was es bedeutete, in ihr gefangen zu sein. Der Staat behandelte Kriminalität wie eine ansteckende Krankheit, jeglicher Kontakt zwischen den Insassen war daher untersagt. Die Mauern waren dick, ihre Fugen mit speziellem Mörtel versiegelt, damit kein Laut von Raum zu Raum drang. Keine Stimmen, kein Klopfen, kein geflüstertes Wort. Nur unerträgliches Schweigen.“ (99)

Niemand hilft ihr, auch Felix Blom ist ratlos. Er braucht Hilfe.  Und die bekommt er von zwei ganz unterschiedlichen Seiten. Zunächst geht er ins „Alt-Berlin“: „Das Alt-Berlin war mehr als eine Kneipe Es war eine Zuflucht für jene die mit dem Gesetz auf Kriegsfuß standen“ (102)

Felix Blom war ja bekanntlich der „Einbrecherkönig von Berlin“ und nutzt gerne seine Bekannten aus den Berliner Verbrechernetzwerken, um seine Fälle als Privatdetektiv zu lösen. Aber ganz überraschend unterstützt ihn auch sein Intimfeind Kriminalkommissar Bruno Harting. Der sieht Felix Blom eigentlich am liebsten hinter Gittern, aber hier geht es um Mathilde. Obwohl er alle Beweise zusammengetragen hat, die Mathilde ins Gefängnis brachten, glaubt er nicht, dass sie die Mörderin ist. Und so kommt es, dass der Einbrecherkönig und der Kommissar sich notgedrungen gemeinsam an die Lösung des Falles machen.

Es stellt sich schnell heraus, dass das Drama schon 9 Jahre zuvor seinen Ausgang nahm. Mathilde, damals noch im Hurenmilieu tätig, ist mit 3 Freundinnen auf Bummeltour. Schon damals verschwindet eine von ihnen spurlos und ein Mord wurde vermutet. Die beiden anderen Freundinnen werden in der aktuellen Handlung ermordet und dies wird Mathilde zur Last gelegt. Schnell ist aber auch schon der Name eines möglichen anderen Täters im Raum, aber die Spur weist auf ein Phantom, denn nach Aktenlage ist die Person schon lange tot.

Eine dicke Nuß gibt Alex Beer den beiden ungleichen Ermittlern zu knacken. Und spannend ist es für uns Leserinnen und Lesern, den Windungen und Wendungen zu folgen, die zur Aufklärung des Falles führen. Es gelingt der Autorin auch wieder eindrücklich,wie schon von ihr gewohnt, die unterschiedlichen Milieus des Berlins dieser Zeit einzufangen. Auch scheint mir, das sie auch bewusst den „Schmökerstiel“ der damaligen Kriminalliteratur nachahmt und daher  dieses Buch auch als schöne Literatur für kalten Wintertage zu empfehlen ist.