Mord an 19-jährigem Noahm: Queerfeindichkeit tötet an der Mosel

Queerfeindichkeit tötet an der Mosel

Es dauerte Tage bis die Medien in Frankreich über den Fall berichteten. In den frühen Morgenstunden des 30. Mai ereignete sich auf dem Place de la République in Metz ein letztlich tötlicher Übergriff. Zwei Opfer des von drei stark Alkoholisierten Männer verübten Angriffs wurden medizinisch versorgt. Noahm starb am 2. Juni an den Folgen seiner Verletzungen.

Der Verein Stop-Homophobie informierte bereits am Tag nach der offenbar queerfeindlich-motivierten Tat in der Mosel-Metropole. Laut Zeugen des Angriffs befand sich Noahm mit Freunden auf dem Heimweg von einer Feier, die drei filmten einander. Sie gerieten in einen Disput mit einer Gruppe von drei Personen, die sie aufforderten Videos zu löschen und schließlich Noahms Telefon zu Boden warfen. Wenig später kehrte die Gruppe zurück und griff die Gruppe um Noahm mit Tritten und Schlägen an. Dabei seien unter anderem Beleidigungen wie „Sales PDs“, also „Drecks-Schwule“ gerufen worden. Der bereits am Boden liegende Noahm sei noch mehrfach getreten worden.

Fälschlicherweise berichteten lokale Medien erst Tage später über eine angebliche „Straßen-Schlägerei“, der Noahm zum Opfer fiel. Doch die Überlebenden der Attacke bezeugen einen völlig einseitigen Angriff durch die andere Gruppe. Die Behörden erklärten, ein politisches Motiv sei zunächst nicht Gegenstand der Ermittlungen. Von drei Festgenommenen Personen verbleiben aktuell zwei in Untersuchungshaft. Die eingangs auf „versuchten gemeinschaftlichen Totschlag“ lautenden Ermittlungen wurden, nachdem Noahm nach 72 Stunden im Koma verstarb, ausgeweitet.

Vereine wie „Stop homophobie“ und „Couleurs gaies“ riefen für den Abend des 2. Juni zu einer Gedenkversammlung in Metz auf. Rund 200 Menschen beteiligten sich. Zwischen Trauer und Wut erklärt ein Demonstrant am Rande der Kundgebung: „Wäre Noahm ein Faschist gewesen, hätte es vermutlich eine Schweigeminute in der Nationalversammlung gegeben“.

Der Fall zu Beginn des Pride-Monats trübt die Stimmung für Angehörige und UnterstützerInnen nicht-Heteronormativer Gemeinschaften. Weltweit demonstrieren Mitglieder der queeren Community im Juni und darüber hinaus für ihre Rechte. Ausgangspunkt dieser Bewegung, zu der in manchen Städten zehntausende mobilisiert werden, war die schwulen-feindliche Stürmung des „Stonewall-Inn“ durch die New-Yorker Polizei, im Juni 1969. In Metz beginnt die diesjährige Pride am Samstag, den 13. Juni um 13 Uhr auf der Esplanade.