Cannes Blog - Des Cinemas pour Afrique

Ein Projekt fuer das afrikanische Kino:

"Des Cinemas pour Afrique"


afrique_binoche2Juliette Binoche liess ihr schoenstes Laecheln vom Stapel, und der Saal erstrahlte. Die Fotografen rannten, die Presse guckte, die Mikrofone wurden in die Hoehe gehalten. Ein Promi geht voran, und die gewuenschte Aufmerksamkeit folgt. Aber es war ein gutes Projekt, denke ich, dem die engagierte Binoche einige Minuten ihrer kostbaren Cannes-Zeit widmete.

"Des Cinemas pour Afrique" wurde am Sonntag auf einem Empfang auf einer der oberen Terrassen des Palais des Festivals offiziell vorgestellt. Als Pilotprojekt der Initiative fuer das afrikanische Kino wurde ein ehemals legendaeres Kino in Malis Hauptstadt Bamako vorgestellt. Es war 

Cannes Blog - Des Cinemas pour Afrique

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Ein Projekt fuer das afrikanische Kino:

"Des Cinemas pour Afrique"


Juliette Binoche liess ihr schoenstes Laecheln vom Stapel, und der Saal erstrahlte. Die Fotografen rannten, die Presse guckte, die Mikrofone wurden in die Hoehe gehalten. Ein Promi geht voran, und die gewuenschte Aufmerksamkeit folgt. Aber es war ein gutes Projekt, denke ich, dem die engagierte Binoche einige Minuten ihrer kostbaren Cannes-Zeit widmete.

"Des Cinemas pour Afrique" wurde am Sonntag auf einem Empfang auf einer der oberen Terrassen des Palais des Festivals offiziell vorgestellt. Als Pilotprojekt der Initiative fuer das afrikanische Kino wurde ein ehemals legendaeres Kino in Malis Hauptstadt Bamako vorgestellt. Es war 

Jahrzehnte lang eines der wichtigsten Anlaufstellen fuer
Filmemacher und Kinofreunde in mali gewesen. Vor 14 Jahren aber musste
das "Soudan Cine" in Bamako aus kommerziellen Gruenden geschlossen
werden.

Das Kino war noch zu Kolonialzeiten eroeffnet worden, war aber mit dem
(weltweiten) Niedergang des Kinos durch die Verbreitung des Fernsehens
in den 60er und vor allem 70er Jahren immer mehr in Schwierigkeiten
geraten. Heutzutage gibt es in ganz Afrika so gut wie keine Kinos mehr,
die sich als Programmkinos verstehen oder ausdruecklich dem
afrikanischen Kino widmen. Generell finden afrikanische Filme, selbst
wenn sie hervorragend gelungen sind und auf internationalen
Filmfestivals ausgezeichnet wurden (und vor allem in Frankreich gibt
es, verstaerkt durch den Zusammenhalt der francophonen Laender, ein
ausgepraegtes Interesse fuer afrikanische Filme) in Afrika kaum Zugang
zu den Leinwaenden.

Die schwierige finanzielle Situation der afrikanischen Kinos, aber auch
dominante westliche Vertriebsstrukturen fuehren dazu, dass dort fast
nur amerikanische Filme laufen. Selten europaeische. Und ein paar
asiatische - vor allem in einigen islamischen Laendern Afrikas schaetzt
man die sexuelle Zurueckhaltung der Filme aus Bollywood - amerikanische
Filme dagegen werden oft muehsam zensiert, was manchmal auch ganze
Stuecke aus einem Dialog kosten kann.

Die geringe Praesenz des afrikanischen Films auf den Leinwaenden des
schwarzen Kontinents macht es nicht nur den afrikanischen Filmemachern
sehr schwer, ein Publikum fuer ihre Werke zu finden, es beraubt auch
die Laender Afrikas und das dortige Kinopublikum eines Teils seiner
kulturellen Identitaet. Zumal die vorhandene Lebenswirklichkeit nicht
der in den Filmen vorgefundenen entspricht. Tut sie bei uns ja oft auch
nicht, aber wir haben wenigstens die Wahl. Mal Spielberg, mal Petzold,
sozusagen (oder: mal Robert De Niro, mal Til Schweiger, moechte ich
noch ergaenzen).

Aehnlich hat es auch der afrikanische Regisseur Gaston Kabore
ausgedrueckt, der aus Burkina Faso stammt: "Chaque peuple a besoin
d'etre confronte a sa propre image." (auf deutsch: Jede Bevoelkerung
muss/sollte mit ihrem eigenen Bild konfrontiert werden).

Abderrahmane Sissako, ein prominenter Filmemacher aus Mali (unter
anderem Regisseur von "Waiting for Happiness") ergaenzte ganz in diesem
Sinne:
"Aucun cineaste ne peut exister s'il n'est pas confronte a son public.
C'est une grande frustration pour un cineaste qui a passe tant d'annees
a faire un film de ne pas avoir de lieu pour le montrer."
(Kein Filmemacher kann existieren, wenn er nicht mit seinem Publikum
konfrontiert wird. Das ist eine grosse Frustration fuer einen
Filmemacher, der viele Jahre damit verbracht hat, einen Film zu machen,
wenn er dann keinen Platz findet, wo er ihn zeigen kann.)

Solche Orte soll es kuenftig wieder mehr geben. Deshalb versucht die
Initiative "Des Cinemas pour l'Afrique", geschlossene Kinos wieder zu
eroeffnen, als gemeinnuetzige Veranstaltungsorte und oeffentliche
Kulturzentren wiederzubeleben und dem afrikanischen, aber auch
cineastischen Arthaus-Kino aus aller Welt wieder eine Buehne zu geben.

Mit der Unterstuetzung europaeischer FilmemacherInnen und
SchauspielerInnen wie Juliette Binoche und dem Regisseur Sissako als
prominenten Aushaengeschildern sammelt die Initiative Unterstuetzung
und Spenden (auch in Form symbolischer Spenden fuer einzelne Kinosessel), um als erstes Pilotprojekt das "Soudan Cine" bald wiedereroeffnen zu koennen.
Danach plant die Initiative in anderen Laendern Afrikas weitere Kinos
wiederzueroeffnen, um der Herrschaft des Fernsehens ueber die Bilder
und auch der oft erdrueckenden amerikanischen Praesenz die Bilder des
afrikanischen Kinos zur Bereicherung gegenueberzustellen.

Wer mehr wissen moechte, findet es unter www.descinemaspourlafrique.com

(Alex)

(Alle Fotos: Alexander Sancho-Rauschel)