Für ein "rebellisches Engagement" - Möglichkeiten für eine Kritik an der neoliberalen Einbindung des Ehrenamts

Für ein "rebellisches Engagement" - Möglichkeiten für eine Kritik an der neoliberalen Einbindung des Ehrenamts

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Pflege am Boden
Pflege am Boden - Eine Form einer sichtbaren Kritik gegen die Einbindung des Ehrenamts im Neoliberalismus
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Der Aufruf, sich ehrenamtlich und damit kaum oder garnicht bezahlt in die Gesellschaft einzubringen hat in den Medien und von staatlicher Seite Hochkonjunktur. Es gibt eine Kommison im Auftrag der Bundesregierung und zahlreiche Ehrenamtspreise. So sind es auf dem Land Bügerbusse, die ehrenamtlich von Rentner*innen den öffentlich Nahverkehr aufrechterhalten. In den Gemeinden ermöglichen unbezahlte Freiwillige den Freibadbetrieb. Auch der sogenannte Willkommenssommer stand unter diesem Vorzeichen: tausende Freiwillige sind seitdem in der Geflüchtetenarbeit aktiv, geben Deutschkurse oder begleiten bei Behördengängen.

Ihr Engagement schließt Lücken, wo es ohne unbezahlte Arbeit sonst heißt: Die Kassen sind leer, eine Aufrechterhaltung des Status Quo sei nicht mehr zu finanzieren. In der sogenannten Flüchtlingskrise wird nun auf die Überforderung der Behörden verwiesen, für die nun Unbezahlte in die Bresche springen müssen. Dabei gibt es oft Kritik von Seiten der Helfenden: die Behörden seien überfordert oder ihnen fehle der politische Wille.

Eine darüber hinausgehende Kritik ist die These des Community-Kapitalismus, welche unter anderem Tine Haubner stark macht. Viel weniger sei eine Überforderung des Staates oder ein Mangel an politischem Wille für den Rückzug des Sozialstaates die Ursache. Stattdessen sei der Rückzug Teil eines Politischen neoliberalen Programms, welche die Zivilgesellschaft als Ressource für unbezahlte Reproduktionsarbeit in Beschlag nehmen möchte.

Was wären Möglichkeiten der Kritik oder des Widerstands gegen diese Form der neoliberalen Politik? Darüber sprachen wir mit Tine Haubner, Soziologin von der Uni Kassel.

 

Weiteres zum Konzept des Community Kapitalismus sowie zum rebellischen Engagement findet sich in der Februarausgabe der "Blätter für deutsche und internationale Politik" in dem Artikel "Für ein rebellisches Engagement" von Tine Hauber, Emma Dowling und Silke van Dyk.