grönländisches Jugendbuch aus dem Inuit-Verlag: Sila-Eine grönländische Fabel über die Liebe und das Schmelzen des Eises

Sila-Eine grönländische Fabel über die Liebe und das Schmelzen des Eises

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Buchcover - Ein Eisbär in Eislandschaft schaut zu einem fliegenden Raben auf
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Inuit Verlag

Es ist das erste Buch das im 2025 gegründeten Inuitverlag erschienen ist. Wunderbar illustriert von Georg Olsen. Die Grönländerin Lana Hansen erzählt die Geschichte des etwa 10jährigen Tulugaq  der in seine Mitschülerin Asiaq verliebt ist und sich in einen Raben verwandeln kann. Er fliegt los, und hier vermischen sich die Träumereien eines schulmüden 10jährigen mit grönländischer Mythologie. Als Rabe trifft er auf den Geist des Inlandeises, der in großer Sorge wegen des Schmelzen des Eises ist. Tulugaq erhält den Auftrag, die Mutter der Meere zu finden und mit ihr zusammen die Gletscherschmelze zu beenden. Eine abenteuerliche Reise und der Kampf gegen den Klimawandel beginnen. Erika Weisser war fasziniert:

Rezension:

In „Sila“ – was in der Inuit-Sprache Kalaallisut sowohl Weter als auch Vernunft bedeutete - wird die Geschichte des etwa 10jährigen Tulugaq erzählt, der in seine Mitschülerin Asiaq verliebt ist und sich in einen Raben verwandeln kann.

Zitat: „Tulugaq findet es öde, Buchstaben an die Tafel zu schreiben. (...) Stattdessen schaut er lieber aus dem Fenster und reist in Gedanken hin und her. In Nullkommanichts kann er wie ein Rabe losfliegen, weg von Tafel und Schule, hinaus, um die Welt zu erkunden. Tulugaq kann endlos fliegen, unendlich lange auf den Flügeln der Fantasie, wenn ihm langweilig ist.

Er will auf Entdeckungsreise gehen, und er will weit weg. (...) Obwohl er immer in Grönland gelebt hat, hat er das Inlandeis noch nie gesehen. Er beschließt, seine Flugbahn dorthin zu lenken, auch wenn ihm der Gedanke an die große, weite Leere ein wenig Angst macht.“

Er fliegt los, staunt über das Ausmaß des Eises – und erschrickt über das Getöse, als ein Gletscher abbricht. Und noch mehr, als Inmitten des Getöses der Geist des Inlandeises erscheint . Er sieht ziemlich lädiert aus und hat Angst, dass er auch schmilzt. Er heißt Tornarsuk und ist nach der Legende Herr der Wale und der Robben und somit das mächtigste übernatürliche Wesen über der Erde.

Von ihm erhält Tuligaq den Auftrag, die Mutter des Meeres Sassuna Arnaa aufzusuchen und mit ihr zusammen dafür zu sorgen, dass die Gletscherschmelze beendet wird und der Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Menschen erhalten bleibt. In der grönländischen Mythologie ist sie die zentrale Göttin und wacht über die Meeressäuger und das ökologische Gleichgewicht. Wird dieses gestört, reagiert sie verärgert und zieht die für das Überleben der Menschen wichtigen Jagdtiere zu sich auf den Meeresgrund herab und hält in ihren Haaren fest, das von dem von Menschen erzeugten Schmutz ganz verfilzt ist. Besänftigen kann sie nur ein Schamane – oder eben ein Rabenmensch, der ihr Geschenke bringt, die ihr beweisen, dass die Menschen zur Vernunft gekommen sind und die Natur nicht länger ausbeuten und zerstören werden.

Tulugaq übernimmt diese Aufgabe, für die ihn auch der große Rat der weisen Raben auserwählt hat. Von ihnen erhält er genaue Anweisungen und die Zusicherung, dass sie ihm notfalls helfen würden. Ein wenig ängstlich, aber tapfer macht er sich ganz allein auf den Weg, um bei verschiedenen Tieren und Blumen die streng vorgeschriebenen Geschenke für Sassuna Arnaa einzusammeln, sie zu ihr zu bringen und ihr schließlich mit einem aus einer Rabenfeder gefertigten Kamm dass Haar zu entfilzen und die darin verfangenen Tiere freizulassen.

Die Reise in unbekanntes Terrain ist abenteuerlich – und gefährlich: Von Anfang an verfolgt ihn ein anderer Rabe, der Tulugaqs Mission offenbar zum Scheitern bringen will. Als er schon fast bei der Mutter des Meeres angekommen ist, greift der Widersacher ihn Massiv an. Es kommt zum heftigen Kampf, den Tulugaq nur knapp gewinnt – und nur mit indirekter Hilfe der weisen Raben.

Am nächsten Morgen weiß er nichts mehr von seinem nächtlichen Abenteuer.Und das, was er erinnert, hält er für einen Traum. Erst bei der Geburtstagsfeier seiner angebeteten Asiaq hat er plötzlich den Rabenfeder-Kamm in der Hand, mit dem er das Haar der Mutter des Meeres geglättet hat. Er macht ihn Asiaq zum Geschenk und ist nur ganz kurz verwundert, als sie sich daraufhin als die Mutter des Meeres outet.

Mit ihrem mit Elementen des Magischen Realismus sowie beeindruckenden Illustrationen von Georg Olsen bereicherten Buch macht Lana Hansen Leser in- und außerhalb Grönlands mit der Sagenwelt der Inuit vertraut. Sie verbindet sie mit Phänomenen wie dem Klimawandel und der drohenden Zerstörung der Lebensgrundlagen aller Menschen. Am Ende des Buchs erklärt zu zudem, was Klimawandel ist, wie es dazu kam und wie er gestoppt werden kann – mit Alltagstipps, die auch junge Leser verstehen und umsetzen können.


 

Autor*in

EW