Albanien erlebt eine seiner größten Protestbewegungen mit Teilnehmenden aus nahezu allen politischen Lagern: Sie nennen sich die Flamingo Revolution. Das zündende Ereignis für die Proteste seit Mai 2026 war ein ungenehmigter Baustart in einem der artenreichsten Schutzgebiete des Mittelmeers. Die Lagune von Narta bei Zvërnec ist Heimat der namensgebenden Flamingos, aber auch unzähliger anderer mehr oder weniger stark bedrohter Tierarten.
Schon seit 2021 sollte der Bau eines Flughafens in Vlora tausende Touristen nach Albanien befördern. Durch türkisch-schweizerische Beteiligung soll der Tourismus im günstigen Süden Albaniens ausgebaut werden. Auch dieses Bauprojekt stößt auf rechtlichen sowie zivilen Widerstand. Auf der Insel Sazan und in der Lagune begannen im Mai erste Baumaßnahmen für das Luxusresort mit etwa 10.000 Hotelzimmern. Investor ist ein Unternehmen der Tochter und des Schwiegersohns des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Die Antwort auf das Prestigeprojekt für Ivanka Trump und Jared Kushner ist der Protest unter dem Motto: »Albania is not for sale«. Die nahezu comichafte Vorstellung ein Luxushotel in einem Naturschutzgebiet zu bauen und Aktivist*innen mit privaten Sicherheitsleuten zu räumen wurde im Frühling dieses Jahres Realität.
Um zu verstehen, welche Rolle die albanische Regierung, die Europäische Union und die größte Protestwelle Albaniens aktuell spielen, sprach der südnordfunk mit Gresa Hasa, Forscherin an der Universität Graz. Sie untersucht die Europäisierung und die rechtsstaatliche Reform in Albanien und dem Westbalkan. Joni Vorpsi ist Arten- und Umweltschutzaktivist aus Tirana, der mit der Organisation PPNEA1 Teil der Protestbewegung ist.

