Interview über die Bedeutung des Bialowieza-Waldes für den Naturschutz: "Ohne diese 3m dicken Bäume, käme kein Mensch nach Bialowieza"

"Ohne diese 3m dicken Bäume, käme kein Mensch nach Bialowieza"

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Die Wälder um Bialowieza an der Grenze zwischen Polen und Weißrussland sind Heimat einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt, die in Europa nur noch dort vorhanden ist. Nur dort lassen sich 3m dicke und 500 Jahre alte Eichen finden, absterbende Bäume und Totholz geben einen Eindruck, wie Wälder in Europa vor der großflächigen Waldbewirtschaftung ausgesehen haben könnten.

Seitdem die polnische Regierung im März 2016 beschloss, den Holzschlag um Bialowieza zu erhöhen, organisierten sich soziale Bewegungen, um dieses Naturschutzgebiet zu erhalten. Inzwischen drohte der Europäische Gerichtshof der polnischen Regierung mit einer täglichen Strafzahlung von 100 000€, falls die Fällungen nicht sofort eingestellt werden.

Wer im Schwarzwald wandert, kennt einen aufgeräumten Wirtschaftswald. Isabel unterhielt sich mit Jan darüber, wie wir uns einen europäischen Urwald vorstellen können, welche Fällungen dort vorgenommen werden und warum diese den Charakter des Waldes bedrohen. Jan promoviert im Bereich der Geoökologie an der Uni Freiburg und nahm im Oktober an einer Forschungsreise nach Bialowieza teil.

 

Entwicklung der Ermittlungen der Europäischen Kommission

Im März 2016 veränderte die polnische Regierung ihre Forstpolitik im Nationalpark Bialowieza. Seitdem wird im gesamten Gebieten drei mal mehr Holz gefällt als bisher; unter anderem auch auf Flächen, auf denen vorher jeglicher Holzschlag verboten war.

Im Juni 2016 begann die Europäische Kommission mit Ermittlungen, da diese Praxis europäische Richtlinien zum Vogelschutz und zum Schutz wildlebender Tierarten missachtet. Nachdem die polnische Regierung sämtliche Aufforderungen, den Holzschlag einzustellen und Stellungnahme zu beziehen, missachtete, folgte im Juli 2017 eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.

Stellt Polen die Abholzungen nicht sofort ein, droht dem Land eine tägliche Strafzahlung von 100 000€, wie der Europäische Gerichtshof am 20. November 2017 verkündete.