Hannah Arendt von Margarethe von Trotta

Hannah Arendt von Margarethe von Trotta

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Barbara Sukowa als Hannah Arendt

Margarethe von Trotta hat kein Biopic über das Leben Hannah Arendts gedreht, sondern sich auf die Jahre des Eichmann-Prozesses, ihres Buchs 'Eichmann in Jerusalem' und die heftigen Reaktionen darauf beschränkt. Herausgekommen ist ein Film, in dem viel debattiert und gestritten wird. Es herrscht ein fürs Kino ungewöhnlich diskursiver Ton vor. Dabei werden einige Aspekte nur angerissen, wie etwa die Rolle des Eichmann-Prozesses innerhalb der damaligen israelischen Politik. Diese Beiläufigkeit könnte man als Schwäche auslegen, sie ist aber auch eine Stärke des Films, regt sie doch unmittelbar zur weiteren Auseinandersetzung mit Hannah Arendt und der Kontroverse um die 'Banalität des Bösen' und die Rolle der Judenräte bei der Deportation ein. Gleichwohl bleibt die Figur Hannah Arendt das Zentrum, die einerseits unbestechlich und unbeirrbar in ihrem Denken erscheint, dann aber doch zunehmend angegriffen wirkt, angesichts der Schmähbriefe und Drohungen, die auf sie niederprasseln. Barbara Sukowa verkörpert diese rastlose Strenge der Theoretikerin Arendt kongenial. Abgesehen von kleineren Macken, wie etwa den schwachen Szenen mit Martin Heidegger und einem kaum glaubhaften Auftritt des israelischen Geheimdienstes ein empfehlenswerter Film zu Hannah Arendt und über eine Kontroverse, die bis heute andauert.

Link zum im Interview erwähnten Gespräch zwischen Günter Gaus und Hannah Arendt von 1964: http://www.youtube.com/watch?v=Ts4IQ2gQ4TQ

Regisseurin MARGARETHE VON TROTTA ist am Sonntag um 16.30 Uhr im Kino Kandelhof in Freiburg zu Gast.

Bild: © NFP