Der Regenmacher trägt Hoffnung in sich. Er kann den Menschen Glück bringen, Blüte in Zeiten der Dürre, neues Leben, wo lange keines war. Er weiß, dass er scheitern kann – und dass er gerade deswegen den Glauben an seinen Erfolg aufrecht erhalten muss. Mit seiner Musik ist der Berliner Rapper Megaloh selbst zu einer Art Regenmacher geworden. Nun erscheint sein neues Album. Das hat, wie ein Sommergewitter nach drückender Schwüle, das Potenzial, all den Staub und Schmutz der letzten Monate wegzuspülen. Den Blick auf die Essenz zu klären. Und den Weg frei zu machen für eine tatsächlich neue Ära im deutschen Hip-Hop.
“Regenmacher” ist das zweite Major-Album des Berliner Rappers Megaloh. 2013 hatte er nach Jahren der enttäuschten Erwartung eine musikalische Heimat im NESOLA-Umfeld von Max Herre gefunden. Das Album “Endlich Unendlich” bedeutete in vielerlei Hinsicht einen Neustart. An die Stelle steter Experimente trat ein konzises Klangbild, irgendwo zwischen gut abgehangener Traditionspflege und zeitgemäßem Post-Neo-Soul. Textlich zeigte sich ein gereifter Mann von Anfang 30, der mit offenem Visier und klarem Blick seine Vergangenheit und Gegenwart aufarbeitete. Ein Berliner mit Wurzeln in Nigeria, im Widerstreit der Identitäten und Realitäten. Nicht weiß, nicht ganz schwarz. Gesegnet mit vielleicht mehr Talent als jeder andere MC in diesem Land, aber jeden Morgen auf Maloche.
Der Bezug zur spirituellen Heimat Afrika ist auch auf musikalischer Ebene offenkundig. Unter die vertrauten Versatzstücke aus Jazz und Funk, die harten Drums und warmen Basslines, die elegante Orchestrierung, mischen sich immer wieder Samples aus Nigeria und Ghana. Darunter ist auch eine bislang unveröffentlichte Aufnahme der bereits erwähnten Schlagzeuglegende Tony Allen. “Der afrikanische Einfluss war mir sehr wichtig”, so Megaloh. “Die Identitätsfrage hat schon meine Jugend sehr geprägt. Und als ich 2012 in Nigeria war, habe ich wieder eine sehr starke Verbundenheit gefühlt und viel Vertrautes wahrgenommen: Gerüche, Klänge, Stimmungen, aber auch Gefühle und Haltungen. Es hat sich mir plötzlich sehr viel erschlossen, obwohl ich nur so kurz da war. Deswegen wollte ich den Gedanken der Diaspora auf dem Album auch musikalisch umsetzen.”
Ghanaian Stallion, der – unterstützt von KAHEDI (Max Herre, Genetikk, Joy Denalane) und Farhot (Haftbefehl, Selah Sue, Patrice) – den Großteil des Albums produziert hat, geht noch einen Abstraktionslevel weiter: “Uns ging es generell darum, verschiedene Dinge zusammen zu bringen, wie es zum Beispiel die TDE-Crew seit Jahren tut. Eine Fusion aus alten und modernen Elementen. Ein klassischer Rhodes-Sound und dann Max Herre auf Autotune dazu. Ein warmer Soul-Sound und dann 808-Drums drunter.”
So treffen triumphale Trap-Vibes auf melancholische Livebläser und von KAHEDI eigens eingespielte Samples. Drums aus dem Plattenschatz von Ghanaian Stallion knistern unter Versatzstücken aus Soul, Jazz und Afrobeat. Der Regenmacher schreitet stet nach vorne. Doch er tut es auf der Traditionslinie von James Brown, Fela Kuti, Nas, den Soulquarians und Kendrick Lamar.
“Was ich an der Figur des Regenmachers immer faszinierend fand, ist, dass er aus aufgeklärter Sicht ganz natürlichen Parametern der Natur unterworfen ist. Dennoch trägt er Verantwortung und die Möglichkeit eines besonderen Erfolges in sich. Er hat eine spezielle Macht, die sowohl im Glauben seiner Mitmenschen an ihn als auch in seinem eigenen Glauben an sich selbst liegt. So geht es mir in gewisser Weise als Künstler. Und so geht es allen anderen Menschen letztlich auch.”
(Text: Davide Bortot)

