Patriarchale und diskriminierende Strukturen im Handwerk

Patriarchale und diskriminierende Strukturen im Handwerk

Die Praxis des „Freischlagens“ ist ein Schlag aufs Gesäß der fertigen Gesell*innen durch den meist männlichen Meister. Die sexistische und erniedrigende Praxis wird in Nordrhein-Westfalen als „Tradition“ verteidigt. Als die Steinmetzin und Steinbildhauerin Sophia B. davon erfuhr war sie schockiert, hattte aber sie niemanden, der ihr zur Seite stand. Weder Handwerkskammer, noch Landesinnungsverband oder der Bundesverband Deutscher Steinmetze fühlten sich zuständig. Alle verwiesen auf „die Bewahrung des traditionellen Handwerks.“ Beim jährlichen FLINTA* Treffen von Handwerker*innen entstand daher die Idee, ein Azubihilfe Netzwerk zu gründen, was die Tischlerin und B.s Kollegin Samantha Dessington mit Anderen dann auch umsetzte. Das Freischlagen sei mehr als ein harmloses Ritual sagt sie: „Es zeigt, wie rückschrittlich das Denken über Auszubildende ist. Es ist erschütternd, wie viele Azubis während der Ausbildung sexualisierte Gewalt oder Erniedrigungen erleben“, so Dessington beim online-Magazin Veto.

Dessington sieht das Problem u.a. in starren Hierarchien. Besonders FLINTA* Personen wechselten aufgrund dieses veralteten System öfter den Betrieb, seien eher abgeschreckt von Ausbildungen als cis-männliche Azubis und brechen auch öfter die Ausbildung ab.

Das Azubihilfe Netzwerk startete im September 2024 die Petition – Der Fachkräftemangel ist hausgemacht! - Missstände und Diskriminierung im Handwerk – mit konkreten Forderungen: etwa der Einrichtung einer unabhängigen Beratungsstellen, einem existenzsichernden Lohn, Saktionierung von Diskriminierung sowie politischer Teilhabe von Auszubildenden.

Einen Teilerfolg konnte das Netwerk bereits verbuchen: Seit der Öffentlichmachung von Mißständen distanzierten sich verschiedene handwerkliche Verbände von der Praxis des "Freischlagens".