So wars bei Gardi Hutter, die am 25.7. auf dem ZMF auftrat

So wars bei Gardi Hutter, die am 25.7. auf dem ZMF auftrat

Gardi Hutter ist Clownin – man könnte sagen, die Clownin, denn es gibt wenige weibliche Clowns und eigentlich keine andere, die international so bekannt ist.

Gardi Hutter ist 66 Jahre alt – mit 66 Jahren fängt das Leben an, behauptet Udo Jürgens, und so holt sie ihr erstes Solo-Programm von 1981 aus der Mottenkiste und geht unter anderem damit auf Tour.

Die tapfere Hanna heißt es, es geht darin um das Leben der Wäscherin Hanna, die tapfer mit Wäschebergen und den Tücken ihres Alltags kämpft. Ihre heimliche Heldin ist Jeanna d'Arc und deren Geschichte, immer wieder liest sie begeistert im gleichnamigen Buch und träumt sich mehr und mehr in die Gestalt der Jungfrau von Orleans hinein.

Gleich zu Beginn stellt sich Enttäuschung ein, für die Gardi Hutter nicht wirklich etwas kann – die Bühne ist zu niedrig, das Spiegelzelt eher für Konzerte ausgelegt und so bekommt man, wenn man nicht in einer der drei ersten Reihen sitzt, viele der kleinen Tricks, Bewegungen und Clownereien nicht mit. Dies schmälert die Qualität der Darbietung vor allem am Anfang und macht es teilweise unmöglich, alles mitzukommen und ganz in die Geschichte einzusteigen. Später entwickelt diese jedoch einen Sog, der die anfängliche Enttäuschung vergessen macht.

Gardi Hutter verzichtet auf Sprachinhalte, ihre Hanna spricht lediglich in einer Fantasiesprache, die sie natürlich auch ein, zweimal dazu nutzt, um mit den Erwartungen zu brechen und ein verständliches Wort zu äußern. In manchen Momenten denkt man sich, sie hätte dort auch auf die Fantasiesprache verzichten können – Körpersprache und Mimik erzählen die ganze Geschichte.

Erstaunlich, dass man am Ende die Geschichte der Wäscherin nicht mehr vermisst, alles mündet in die vorgestellte und verkörperte Jeanne D'arc mit Blechwannen-Rittergestalten und riesigem Holzschwert, das am Ende zugleich das Grabkreuz ist – eine wunderbar simple Idee neben vielen anderen Einfällen, die komplizierte Sachverhalte reduziert und einfach veranschaulichen.

Auch das erste Ende, das gar kein echtes Ende ist, wie sich dann herausstellt, ist als Pointe eigentlich gar nicht so effektvoll, aber Gardi Hutter hat ihre Clownsnase immernoch auf und spielt mit diesem falschen Ende, mit dem Publikum und dessen Erwartungen – das überhaupt auch immer wieder gekonnt, sie improvisiert, baut den Fotografen oder auch einzelne Lacher lässig und nie übertrieben in ihre Geschichte mit ein.

Als sie am wirklichen Ende die Clownsnase abnimmt und ganz sie selbst ist, merkt man erst, was für eine Figur man die ganze Zeit vor sich hatte, vor allem ihr Gesicht mit der dazugehörigen Mimik ist ein völlig anderes - ein riesiger Unterschied wird offenbar.

Fazit: Das Spiegelzelt bräuchte eine höhere Bühne für solche Art von Vorführungen, um auch die kleinen, feinen Momente einzufangen, ganz zu schweigen von den Augenblicken, in denen sich das Geschehen auf dem Boden liegend abspielt. Die tapfere Hanna von Gardi Hutter ist ein tolle Clownsfigur, die zwar auch mit weiblichen Attributen spielt, aber dies so unprätenziös, dass man sich definitiv mehr weibliche Clowns auf dieser Welt wünscht und Gardi Hutter noch viele wunderbare Momente mit ihrem Publikum.