Ballistische Verteidigung oder Festhalten am waffenlosen Frieden?
Emanzipatorische Perspektiven verteidigen
Ein Kolleg*innengespräch von Martina Backes und Georg Lutz.
Krieg ist auf der politischen Bühne zurück. Verteidigungsminister heißen wieder Kriegsminister. Im Globalen Süden war der Krieg nie weg, aber auch hier steigen die Rüstungsausgaben und der militärisch-industrielle Komplex gewinnt an Macht, Präsenz und Einfluss. Die politische Forderung nach Kriegsfähigkeit und Wehrtüchtigkeit beflügelt zudem die autoritäre Rechte.
Die emanzipatorische Linke streitet seit jeher über ihr Verhältnis zu Krieg, Pazifismus und militärischem Eingreifen. Während die einen Waffen und Aufrüstung als notwendig zur Verteidigung gegen autoritäre Gewalt ansehen, blieb die Linke historisch oft gespalten – etwa bei den Irakkriegen oder den NATO-Angriffen auf Serbien, oder jetzt auch ganz aktuell beim Krieg der USA/Israel gegen den Iran.
Wie findet die emanzipatorische Linke zu einer Haltung, die polarisierende Generalkonzepte vermeidet? Es geht darum, wie man der Komplexität von Konflikten gerecht werden kann und welche Fragen aus emanzipatorischer linker Perspektive zu stellen wären, die neue Handlungsräume öffnen. Auch werfen unsere Kolleg*innen einen Blick darauf, unter welchen globalen Bedingungen Friedensarbeit heute stattfindet. Aus welchen politischen Perspektiven heraus wird sie geführt? Was besagt der Local Turn als Kritk am liberalen Friedenskonzept?
***
»Ohne Brot kein Frieden«
Friedensarbeit in Mali zwischen Gewalt, Armut und Hoffnung
Unser Kollege Lars Springfeld hat in Mali mit lokalen Friedensaktivist*innen gesprochen, während quasi zeitgleich bewaffnete Gruppierungen die Ausfahrtsstraße aus der Hauptstadt Bamako in den Norden blockierten, den Verteidigungsminister der regierenden Militärs töteten und zahlreiche Überfälle vor allem auch gegen die Zivilbevölkerung zu verantworten hatten. Lars sprach in Bamako mit den Friedensarbeitern François Tendeng und Moctar Karama von EIRENE. Eirene ist eine christlich geprägte internationale Friedensorganisation, die seit den 1950er Jahren Freiwillige in Länder des Globalen Südens entsendet, um vor Ort zivilgesellschaftliche und soziale Projekte zu unterstützen. Die Ereignisse vom 25. April 2026 ließen die Themen des Gesprächs noch dringlicher erscheinen und wir fragten uns: Was bedeutet Frieden in einem Land, das seit mehr als einem Jahrzehnt von Gewaltkonflikten geprägt ist? Warum reicht militärische Sicherheit allein nicht aus? Welche Rolle spielen Armut, soziale Gerechtigkeit und lokale Konflikte? Und weshalb richtet sich der Blick internationaler Medien oft auf Geopolitik statt auf die Menschen vor Ort?

