Der albanische Staatsbürger und Mailänder Antifaschist Gino A. hat sich am Donnerstag überraschend den Behörden in Hannover gestellt. Begleitet von einer Demonstration und einem seiner Anwälte Lukas Theune beugt er sich damit einem gegen ihn seit Mai 2025 laufendem europäischen Haftbefehl der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.
A. wurde zusammen mit weiteren Antifas aus Italien, Deutschland und Syrien wegen Auseinandersetzungen am Rande eines jährlichen Nazigroßevents in Budapest gesucht. Im Februar 2023 wurden dabei mehrere Neonazis zum Teil erheblich verletzt, die Behörden des damaligen rechtsradikalen Fidesz-Regimes unter Orban leiteten internationale Ermittlungen gegen zwei dutzend Linke ein, denen sie die Bildung einer kriminellen Vereinigung und Gewalttaten bis hin zu versuchtem Mord vorwerfen.
Nachdem eine Auslieferung Ginos im April 2025 von der französischen Justiz untersagt wurde, da Ungarn die Konvention zur Verhinderung von Folter und unabhängige Verfahren nicht garantieren könne, kam die in diesem Kontext äußerst verfolgungseifrige BRD ins Spiel. Da zwei Geschädigte der mutmaßlichen antifaschistischen Interventionen im Februar 2023 Deutsche seien, zog Karlsruhe das Verfahren an sich und erließ einen zweiten europäischen Haftbefehl gegen Gino. Gegen die Ausweisung prozessierten die Anwälte Laurent Pasquet-Marinacce und Youri Krassoulia bis zuletzt in Paris. Wir berichteten ausführlich.
Am 30. September zerschlug das Kassationsgericht jegliche Hoffnung einer Prüfung des Verfahrens vor europäischen Instanzen. Da Deutschland als verlässlicher Partner gilt, wurde der Weg für eine Ausweisung Ginos frei. Nun stellte sich der Antifaschist nach zwei Wochen „freiwillig“, erklärte seine Beweggründe und warum ein Leben in Klandestinität für ihn nicht (mehr) in Frage kommt. LS
Wir haben am Morgen nachdem sich Gino der Polizei gestellt hat, mit seinem Strafverteidiger Lukas Theune gesprochen:

