Ech, Oida (deutsch) 25.12.2025: Solidarität und Care im autoritären Belarus 

Solidarität und Care im autoritären Belarus 

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Olga Shparaga
Lizenz: 
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Quelle: 
AMICA

Solidarität und Care im autoritären Belarus

Ausschnitte aus dem Vortrag von Olga Shparaga

„Jeden Tag mindestens eine ‚Straftat‘“ – so beschreibt eine 55-jährige anonyme Belarussin im August 2025 ihre Überlebensstrategie unter den brutalen Bedingungen der anhaltenden politischen Verfolgung in ihrem Land. „‚Straftat‘ in unserem Verständnis“, erklärt sie, „ist etwas Gutes: jemandem helfen, ein paar Cent spenden, etwas schreiben oder weitergeben“.

Diese Formen des „fragilen Widerstands“, wie Olga Shparaga sie in Anlehnung an die polnische feministische Philosophin Ewa Majewska nennt, sind nach der Niederschlagung der Massenproteste im Jahr 2020 zur wichtigsten Widerstandsstrategie in Belarus geworden. Auch weibliche politische Gefangene praktizieren seit 2020 „fragilen Widerstand“ in Gefängnissen und Strafkolonien. Dies steht im Einklang mit den aktuellen Narrativen und Aktionen der Solidarität, Hilfe und Verantwortung für die Zukunft von Belarus, die diese Narrative in der belarussischen Diaspora weltweit unterstützen.

 Eine der Auffassungen  der Belarus*innen, die vor allem von Feministinnen, von den gesellschaftspolitischen Verhältnissen  betrifft die Rolle fürsorglicher Beziehungen sowohl für die gesamte belarussische Gesellschaft als auch für die Demokratie. In ihrem Vortrag erzählte Olga Shparaga über diese Auffassung  und Praktiken des „fragilen Widerstands” der Belarus*innen im Land und über Formen der Solidarität in der belarussischen Diaspora.

Olga Shparaga, PhD (geb. 1974 in Minsk) ist Philosophin im Exil, Gastwissenschaftlerin am Institut für Philosophie der FernUniversität in Hagen. Ihr drittes Buch Das Gesicht der Revolution ist weiblich. Der Fall Belarus erschien 2021 auf Deutsch bei Suhrkamp.

Während der Massenproteste in Belarus im August 2020 hat Olga Shparaga die Femgruppe im Koordinationsrat rund um die belarussische Oppositionspolitikerin Svjatlana Tsichanouskaja mitgegründet. Als Mitgliederin der feministischen Gruppe wurde sie im Oktober 2020 inhaftiert. Um einem drohenden Strafprozess zu entgehen, floh sie nach Vilnius.

Die Veranstaltung hat in der Universität Freiburg stattgefunden.
Moderation: Andrea Zimmermann (Geschlechterforscherin und AMICA Vorstand)
In Kooperation mit dem Slawischen Seminar der Universität Freiburg