Cannesblog Teil 2: Das Festival beginnt: Erste Filme, noch mehr Chaos und viel, viel Glück

Erste Filme, noch mehr Chaos und viel, viel Glück

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Einladungskarte Eröffnungsfeier
Einladungskarte Eröffnugsfeier

Nach dem ersten Tag konnte es ja eigentlich nur besser werden. Wurde es aber nur stellenweise.

Zunächst ließen wir den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück gemütlich angehen. Danach machte sich der gesamte Trupp, bestehend aus insgesamt 6 Personen, auf den Weg Richtung Festivalpalais. Ich nahm Urban an die Hand, der zum ersten Mal dabei ist, und zeigte ihm die wichtigsten Locations und alles, was man für den Anfang wissen muß, um in Cannes zu überleben.

Währenddessen fuhr der Rest der Truppe zum Parkhaus um wie am Vortag angegeben, die Dauerkarte abzuholen. Also ab ins Parkhaus, Ticket ziehen und zum Schalter. Hier dann die Auskunft, es gebe keine Vorbestellung mehr, nur eine Reservierunsanfrage und die Dauerkarten seien bereits ausverkauft. Aha. Und warum dann die Auskunft vom Vortag? Erst als Markus etwas deutlicher wurde, hat dann alles reibungslos funktioniert und wir erhielten wie bestellt unsere Zweiwochenkarte für das Parkhaus in Cannes.

Um halb zwei hatte ich dann meinen ersten Film: "Blanche comme neige" von Anne Fontaine. Der französische Titel spielt mit der französischen Bezeichnung für Schneewittchen, Blanche Neige. Und im Prinzip ist der Film genau das, eine moderne Schneewittchenfassung. War ganz nett aber sehr vorhersehbar. Muß man trotz Isabelle Huppert nicht unbedingt gesehen haben. Angekündigt als "Erotic, Comedy" habe ich sowohl die Erotik als auch den Witz vermißt. Klar, es gab auch auch einige skurrile Szenen aber zu einer Komödie hat noch einiges gefehlt. Und auch die Sexszenen waren -- zumindest in meinen Augen -- nicht sonderlich erotisch oder gar außergewöhnlich.

Noch während des Films erhielt ich die Nachricht, daß Urban zwei Karten für die Eröffnungsfeier gewonnen hatte und noch jemanden suchte, der ihn begleitet. Ja, genau, für jenes offizielle Ereignis zu Beginn des Festivals, bei dem die Jury vorgestellt und das Festival für eröffnet erklärt wird. Da aus unserer Gruppe niemand großes Interesse zeigte, habe ich zugegriffen und bin nach dem Film ins Appartement zurückgefahren, um mich aufzubrezeln. Denn zu den Galaveranstaltungen in Cannes trägt man Abendgarderobe, ansonsten wird man nicht hereingelassen. Dafür durfte ich dann kurz darauf vor aller Augen über den roten Teppich spazieren und die berühmten "Marches" (Stufen) heraufsteigen und live miterleben, wie Charlotte Gainsbourg und Xavier Bardem das Festival für eröffnet erklärten.

Im Anschluß an die diesmal trotz einiger Seitenhiebe auf die Streamingdienste recht banale Eröffnungsfeier durften wir dann den ersten Wettbewerbsfilm sehen, auf den ich ohnehin schon sehr gespannt war: Jim Jarmuschs "Zombie-Horror-Komödie" "The Dead don't die". Hochkarätig besetzt unter anderem mit Tilda Swinton, Adam Driver, Steve Buscemi, Selena Gomez.

Leider wurde der Film meinen Erwartungen nicht gerecht. Zu vorhersehbar, banale Witze, bei denen auch das Publikum nicht richtig mitging und eindeutig zu viel Selbstreferenz. Von Jarmusch hatte ich irgendwie mehr erwartet. Aber da der Film schon am 13. Juni in Deutschland startet, macht euch doch einfach selber ein Bild.