Am 9. August jährte sich dieses Jahr zum sechsten Mal der Beginn der Massenproteste gegen die gefälschte Präsidentschaftswahl in Belarus – “und mit ihnen eine bis heute andauernde, beispiellose Repressionswelle gegen unabhängige Medien”, schreiben die Reporter ohne Grenzen (RSF).
Die Journalistin Maryna Solatawa sei damals zu einem Widerstandssymbol des unabhängigen Journalismus geworden, RSF weiter. Im September 2021 wurde sie gemeinsam mit Kolleg*innen festgenommen und im März 2023 zu insgesamt zwölf Jahren Strafkolonie verurteilt. “Die Haftbedingungen in belarusischen Strafkolonien gelten als besonders grausam: Folter, Zwangsarbeit und Isolation gehören zum Alltag. Zeitweise haben wir monatelang kein Lebenszeichen von Maryna erhalten” so RSF.
Mithilfe von Protestaktionen und hartnäckigem Dranbleiben vonseiten der NGO ist Solatawa seit Dezember 2025 endlich wieder frei. Demnach wurde sie “im Rahmen einer Vereinbarung zwischen den belarusischen Behörden und den USA freigelassen und schreibt derzeit ein Buch über weibliche Gefangene in Belarus. Anlässlich des Jahrestags der Proteste hat Maryna Solatwa einen Essay über die Situation der Pressefreiheit im Land geschrieben.
„Das alles wird höchstens noch ein Jahr so weitergehen. Man kann im 21. Jahrhundert kein Nordkorea mitten in Europa aufbauen”, dachte ich, als ich im September 2020 zusammen mit der tut.by-Journalistin Kazjaryna Baryssewitsch nachts im Auto vor dem Gebäude der örtlichen Polizeibehörde saß, wohin unsere festgenommenen Kolleg*innen gebracht worden waren. Nur zwei Monate später wird sie festgenommen und zu einem halben Jahr Strafkolonie verurteilt. Bis zur Zerschlagung von tut.by und unserer Festnahme blieben noch neun Monate.
Damals, als wir bereits mit Repressionen konfrontiert waren, wie sie in der Geschichte des unabhängigen Belarus noch nie zuvor geschehen waren, hatten wir noch keine Ahnung davon, was uns noch bevorstand.
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“Wie in Marynas Fall dauert es oft Jahre des unermüdlichen Einsatzes, bis sich die Situation inhaftierter Medienschaffender verbessert oder sie freigelassen werden. Noch immer sitzen 20 von Marynas Kolleg*innen in Haft. Auf der Rangliste der Pressefreiheit belegt Belarus aktuell Platz 165 von 180. Obwohl es vereinzelt zu Freilassungen kommt, inhaftiert Lukaschenkos Regime weiterhin die wenigen unabhängigen Journalist*innen, die unter hohem persönlichen Risiko im Land berichten – die meisten Medienschaffenden flohen seit 2020 ins Exil, um ihre Arbeit sicher fortzusetzen.” schließt RSF.
