Untersuchung zu Kolonialismus in Freiburg präsentiert: Liberales Milieu war in Freiburg Hauptträger des Kolonialismus

Liberales Milieu war in Freiburg Hauptträger des Kolonialismus

640px-ColombiSchloss_1.jpg

Kolombischlössle: Hier fand die Kolonialausstellung 1933 statt
Kolombischlössle: Hier fand die Kolonialausstellung 1933 statt
Quelle: 
Von Joergens.mi - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=706749

Kolonialismus begreifen die Autoren der Studie "Freiburg und der Kolonialismus (ca. 1870 bis 1939)" nicht nur als Kolonialherrschaft, sondern sie fassen darunter auch die Denkweisen, mit denen diese Herrschaft gerechtfertigt wurde. Sie wirkten auch fort, als Deutschland nach dem 1. Weltkrieg seine Kolonien wieder verloren hatte, teils sogar umso stärker.

Auch Freiburg war von kolonialer Begeisterung erfasst - allerdings unterschiedlich in verschiedenen Milieus, welche bei der Untersuchung unterschieden wurden. Die Stadt selbst als Institution war in (post-)koloniale Strukturen eingebunden. Ein Höhepunkt stellt dabei wohl die vielfältige Unterstützung der Stadt für die Tagung des Reichskolonialbundes und die Kolonialausstellung 1935 dar.

Die Untersuchung wurde von Markus Himmelsbach, Johannes Theisen und Heiko Wegmann unter der Projektleitung von Bernd-Stefan Grewe, Professor für Geschichtsdidaktik an der Universität Tübingen, geführt. Sie hatten die Studie bereits Ende 2016 der Stadt übergeben, doch wegen Personalwechsels im Museum für Natur und Mensch habe sich die Prüfung der Ergebnisse verzögert, so die Stadtverwaltung. Daher wurde die Studie erst am 3. Mai 2018 im Kulturausschuss präsentiert, die Veröffentlichung soll jetzt nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Heiko Wegmann forscht seit vielen Jahren zu Kolonialismus in Freiburg und hat das Forschungs- und Bildungsprojekt freiburg-postkolonial.de initiiert. Er hat sich für die Studie insbesondere mit der Rolle des liberalen Milieus, der Massenkultur und der Stadt auseinandergesetzt. Wir haben mit ihm gesprochen.