Istanbul: Marsch für Gerechtigkeit

Marsch für Gerechtigkeit

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Istanbul während der Gezi-Park-Proteste Juni 2013
Quelle: 
Fleshstorm, Wikipedia, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Nach über 430 km Marsch, durch die pralle Julihitze, vorbei an klatschenden und an Steine werfenden Landsleuten, hat der Marsch für Gerechtigkeit am Sonntag Istanbul erreicht. Anfangs waren es kaum mehr als hundert, die mit dem Vorsitzenden der Republikanischen Volkspartei (CHP), Kemal Kilicdaroglu loszogen. Am Samstag zählte dann die Polizei bereits 230 000 MitmarschiererInnen und bei der Kundgebung am Sonntag waren es wohl 2 Millionen. Die Kundgebung für Gerechtigkeit fand in der Nähe eines Gefängnisses statt, in dem der CHP-Abgeordnete Enis Berberoglu gefangen gehalten wird. Berberoglus Verurteilung zu 25 Jahren Haft wegen Geheimnisverrat war der aktuelle Anlass für den Marsch, aber um für Gerechtigkeit auf die Straße zu gehen gibt es viele Gründe, in der Türkei derzeit sogar besonders viele. Aber "Gerechtigkeit", was ist das? Kommen da nicht etwa ganz konkrete Probleme zu kurz, wenn man für so einen abstrakten Begriff auf die Straße geht? Die Redaktion der türkisch-sprachigen Sendung von Radio Dreyeckland, in Gestalt von Gülnaz und Jan, hat einfach auf der Kundgebung angerufen und den Politikwissenschaft Edgar Sar (= schar) gefragt. Der Armenier Sar gehört zu den zahlreichen AkademikerInnen, die seit letztem Sommer entlassen wurden.