Kundgebung gegen Nazitreffpunkt: Präfektur soll „Taverne de Thor“ in Lothringen schließen

Präfektur soll „Taverne de Thor“ in Lothringen schließen

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Bis zu 200 Menschen haben in Bar-le-Duc gegen die Hammerskins und ihren Treffpunkt demonstriert
Antifaschistische Versammlung vor der Präfektur der Meuse am 29.11.2025
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Luc Skaille / Radio Dreyeckland

In Bar-le-Duc, der bescheidenen Hauptstadt des Départements Meuse in Lothringen, versammelten sich am Samstag gut 150 DemonstrantInnen. Vor dem Gebäude der Präfektur wurde in Redebeiträgen scharfe Kritik an dem seit 2015 in Combres-sous-les-Côtes befindlichen Nazi-Treffpunkt „Taverne de Thor“ geäußert. Es sei ein „Ausbildungszentrum international vernetzter, gewalttätiger Hammerskins“.

Bisher hatte die Präfektur die Geschehnisse im kleinen Winzerdorf zwischen Maas und Mosel weitestgehend ignoriert. Nach dem Umzug des in 2015 verwaltungsrechtlich geschlossenen „Clubhouse“ in Toul, im Nachbardepartement, sowie Protesten im nahe gelegenen Verdun, war es scheinbar ruhig geworden, im Umfeld der Nazitaverne. Doch unterm Strich konnten sich die Skinheads in einem Jahrzehnt in der Meuse etablieren und zunehmend international vernetzen. Zuletzt organisierten sie überregionale Kampfsportevents mit mehreren hundert Teilnehmenden. Der Rat des Départements hatte nach einem MMA-Turnier 2024 einstimmig eine Schließung des Zentrums der Rechtsradikalen und ein Verbot der Hammerskins nach deutschem Vorbild gefordert.

Das Bündnis „Fermez-La!“* will nun den Druck auf die organisierte Naziszene erhöhen. In einem Redebeitrag heißt es „Die Behörden schließen die Augen und die Jugendlichen können unbehelligt faschistisch indoktriniert und zur Gewalt ausgebildet werden“. Auf einem Banner steht „Vereint gegen die ‚Taverne‘ der Nazis in der Meuse (und anderswo)“. Für die TeilnehmerInnen steht eine Kritik an der Untätigkeit der Behörden im Vordergrund. 

Schlagzeilen der letzten Jahre warfen Scheinwerfer auf die Komplexität des Netzwerks der Hammerskins, das in Deutschland 2023 illegal wurde. Das machte Lothringen im Dreiländereck umso attraktiver für die grenzüberschreitende Organisation. So steht die „Taverne de Thor“ nicht nur für französische Behörden im Fokus.

Die antifaschistischen Recherchen erzwangen zuletzt ein breites öffentliches Interesse - auch jenseits der überwiegend paralysierten 100 Seelen Gemeinde Combres-sous-les-Côtes. Hier ist die Lage angespannt. Neben Konzerten und Kneipenabenden finden hier zweimal pro Woche „Boxtrainings“ der Naziszene statt. „Ein unerträglicher Zustand“ bekräftigt ein Nachbar des Lokals.

Zur Kundgebung am Samstag hatte sich ein lokales Bündnis fast sämtlicher Linker Gewerkschaften, Parteien und Bürgerinitiativen eingefunden. Auch der Europaabgeordnete Anthony Smith und LFI-Parlamentarier Thomas Portes beteiligten sich mit Grußworten. 
Im Anschluss an die etwa zweistündige Versammlung bei Chumbawamba, Redebeiträgen und Café, ging eine Delegation des Bündnisses in die Präfektur, um der Kabinettsdirektorin ihre Forderungen zu erklären. Scheinbar hat diese in der Zwischenzeit tatsächliche Möglichkeiten gegen das Nazizentrum geprüft und die Staatsanwaltschaft sei mit Ermittlungen befasst. 

Es bleibt abzusehen was dem folgt. Bisher liefen sämtliche, die an Präfektur und Innenministerium adressierten Appelle, nach einem härteren Vorgehen gegen die Nazis ins Leere. Auch 50.000 Unterschriften die die Bürgerinitiativen vor Jahren gesammelt hatten machten bisher keinen Unterschied. Der Zuständige Präfekt Xavier Delarue, der teilweise auch gegen rechte Veranstaltungen vorgeht, scheint weiterhin in jedem zweiten Fall keinen Handlungsbedarf zu sehen. Das Innenministerium versprach im vergangenen Jahr eine „verstärkte Überwachung der Lokalität“. Bisher hat das staatliche Handeln dem Nazitreiben jedenfalls keinen Einbruch beschert.    


* („Schließt sie!“ oder „Haltet die Fresse!“, je nach Lesart)