Die Freiburger Burschenschaft Teutonia – Brauner Sumpf in weißer Villa? [mit Update]

Die Freiburger Burschenschaft Teutonia – Brauner Sumpf in weißer Villa? [mit Update]

Die Burschenschaft Teutonia, beheimatet in einer weißen Villa im Freiburger Stadtteil Wiehre, wirbt in ihrem aktuellen Semesterprogramm mit einem Zitat von Michael Regener. Der ehemalige Sänger der rechtsradikalen Band Landser, der wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung mehrere Jahre im Knast saß, wird in dem Rundschreiben der Teutonen, das auf der Nachrichtenplattform Linksunten.indymedia.org veröffentlicht wurde, als „deutscher Lyriker“ bezeichnet. Bei dem verwendeten Zitat („Frei geboren zu werden ist Schicksal, frei zu leben nicht. Und frei zu sterben, das ist Pflicht.“) handelt es sich um den Refrain aus dem Musikstück „Frei geboren“ von Regeners zweiter Band, „Die Lunikoff Verschwörung“. Just dieses Musikstück erfreute sich auch bei der NPD so großer Beliebtheit, dass sie es im Jahre 2009 auf ihre Schulhof CD presste.

Interessant an dieser offenen Würdigung eines prominenten Rechtsrockers, für den die NPD während seiner Haftzeit 2006 auch eine Demo organisierte, ist vor allem, dass die Teutonia sich im Richtungsstreit innerhalb der Deutschen Burschenschaft zu den „liberalen“ Bünden zählt. 2011 drohte sie gar mit einem Austritt aus dem etwa 120-Bünde starkem Dachverband, da dieser den Teutonen zu rechtslastig sei (Bericht BZ). Ob mit dem positiven Bezug auf einen verurteilten Rechtsradikalen nun den anderen Bünden signalisiert werden soll, dass man ‚schon noch dazu gehört’ oder ob man mit solch lascher Würdigung eines „deutschen Lyrikers“ eben innerhalb der Deutschen Burschenschaft tatsächlich zu den "liberalen Bünden" zählt, mag jede/r selbst beurteilen.

Update 28.11.2012: Die Burschenschaft Teutonia schweigt weiter beharrlich auf die Anfragen von RDL. Und warum auch Antwort geben, erklären oder gar dementieren, wenn das lokale Monopolblatt es fertig bringt heute, am 28.11.2012, in einem Artikle erneut das Bild der liberalen Burschenschaft Teutonia zu zeichnen (Artikel Badische Zeitung) und mit keinem Wort auf die Huldigung Michael Regeneres eingeht oder hierzu mindestens eine Frage stellt.
Wer das Musikstück übrigens bei Youtube sucht, der wird unter den ersten Treffern einen Livemittschnitt von 2011 finden, indem "Frei geboren" von Michael Regener explizit Horst Mahler und weiteren Nazis im Knast gewidmet wird.

Update 29.11.2012: Nachdem öffentlichen Hinweis von RDL an die Badische Zeitung via dieser Nachricht und via Twitter berichtet die BZ nun heute doch noch von der Huldigung eines Nazirockers durch die Teutonia (Artikel BZ). Die Größe, man könnte auch sagen Selbstverständlichkeit, hierbei auf RDL zu verweisen zeigt die BZ wie so häufig nicht. Die Kleinheit jedoch wie selbstverständlich den von RDL hergestellten Bezug zur NPD-Schulhof-CD zu verwenden, wie in anderen Fällen auch, allemal. Doch auch ansonsten räumt die BZ keinerlei Fehler ein sondern tritt erneut als faktische Öffentlichkeitsabteilung der Burschen auf, die, wie zuvor 2011, wohl auch in diesem Fall anstelle einer echten Pressemitteilung auf ihrer Homepage einfach auf die BZ verweisen werden (wenn überhaupt; aktuell ist nur der Artikel vom 28.11. aufgeführt).
In dem Artikel der BZ wird von der großen Bestürzung der Burschen ob des Zitates berichtet. "Hintergründe und Quellenlage des Zitats seien nicht bekannt gewesen und bei einer Prüfung leider nicht aufgefallen." Nach einer internen Untersuchungen seien dem Schuldigen die Mitgliedsrecht entzogen worden (kein Bier? kein Säbel? keine Fahne? ... Fragen über Fragen!). Die Teutonia bedauere, dass dieser "vermeidbare Fehler" unterlaufen sei. Die Bestürzung scheint von außen betrachtet vor allem dann eingesetzt zu haben, als die BZ nun genötigt war nachzufragen. Hätte die Teutonia wirklich so große Bauchschmerzen ob des "Fehlers" gehabt, sie hätte auch einfach am 26.11. auf die Anfrage von RDL antworten können..... Naja, abschließend noch der Verweis auf ein weiteres Mitglied der Teutonia, das in einem Artikel des u-astas 2011 gewürdigt wird.

Nachtrag: Die Debatte unter dem Artikel der BZ dreht sich nun um das Verwenden-Dürfen von Zitaten. Die wichtige Info in diesem Zusammenhang, nämlich die Betitelung Regeners als "ein deutscher Lyriker", fehlt in dem Artikel der BZ. Und wie gerade auffällt: Nicht einmal der Bezug zur NPD-Schulhof CD wird korrekt dargestellt. Die aktuelle Band von Regener ist nicht mit "einem Lied" auf einer NPD-CD vertreten sondern mit "diesem" Lied, das auch von den Teutonen zitiert wurde. Aber klar, wenn schon PR-Abteilung dann richtig!

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