Antisemitismus - mehr politisches Symbol oder doch eine häufig verleugnete Realität?

Antisemitismus - mehr politisches Symbol oder doch eine häufig verleugnete Realität?

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Moritz Schwind: Erlkönig
Quelle: 
Public Domain

Seit dem letzten Sommer haben in ganz Europa antijüdische Äußerungen und Gewaltakte, bis hin zur gezielten Tötung jüdischer Menschen erheblich zugenommen. Dabei richteten sich die Proteste gegen den Gaza-Krieg, die Gewaltakte und Schmähungen in einer lange nicht dagewesenen Weise gegen Jüdinnen und Juden schlechthin.

Mitten in diese Gemengelage hinein veröffentlichte just das Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin eine Studie mit dem Titel „Antisemitismus als Problem und Symbol. Phänomene und Interventionen in Berlin“, die sich mit Antisemitismus in Berlin in den Jahren 2010 bis 2013 beschäftigt und ihn alles in allem eher als Randproblem schildert, auch weil eine absolute Grenze zu „Kritik an Israel“ und „Antizionismus“ gezogen wird. Außerdem wird in der Studie immer wieder eine mögliche Voreingenommenheit thematisiert. Einerseits wird gemutmaßt, jüdische Eltern könnten normale Verhaltensprobleme ihrer Kinder übersehen und Probleme in der Schule als Antisemitismus interpretieren. Andererseits wird eine Voreingenommenheit der deutschen Gesellschaft vermutet, die den Anti-Antisemitismus als deutsche Staatsraison verinnerlicht habe. In diesem Zusammenhang wird Antisemitismus nicht ausschließlich aber auch als Symbol gesehen. Das American Jewish Committee Berlin hat die Studie scharf kritisiert. Unter anderem den Gebrauch des Wortes „Symbol“, im Zusammenhang mit Antisemitismus. Das Zentrum für Antisemitismusforschung hat darauf geantwortet und dem Committee wiederum vorgeworfen, bei seiner Kritik, die spezielle Fragestellung und den Anspruch der Studie nicht zu berücksichtigen.

Nicht so ganz von der Antwort des Zentrums überzeugt, hat Radio Dreyeckland bei Michael Kohlstruck, einem der Autoren der Studie angerufen und sich seine Sicht der Studie erklären lassen.18:18

Zur Veranschaulichung, dessen wie Jüdinnen und Juden den Antisemitismus seit dem letzten Sommer in Deutschland selbst erleben, senden wir im Anschluss noch einen Auszug eines Interviews, das unsere Kolleginnen von Radio Z mit Joachim Hamburger von der jüdischen Gemeinde in Nürnberg geführt haben.3:35

Schließlich haben wir noch mit dem Politologen und Publizisten Matthias Küntzel gesprochen, der eine Kritik der Studie geschrieben hat. Küntzel wirft den Autoren vor, sich völlig außerhalb des Rahmens der Antisemitismusforschung zu bewegen.6:42

Übrigens zu aktuellem Antisemitismus unter dem Deckmantel der "Palästina Solidarität" in der Türkei vergleiche diesen Beitrag: https://rdl.de/beitrag/welle-von-antisemitischen-kundgebungen-der-t-rkei