Im Land der Dichter und Denker (jeder der einmal auf einer Querdenker-Demo war, wo man ja nicht wenige Dichter & Denker trifft, weiß dass diese Wendung mit manchem Körnchen Wahrheit gepökelt ist) werden zur Zeit zwei Probleme heiß diskutiert ohne dass man sehen will, wie sie zusammengehören: Die Bundeswehr beklagt einen akuten Personalmangel und viele aus der jüngeren Generation beklagen einen akuten Mangel an Generationengerechtigkeit. Dabei wurde die geniale Lösung bereits gefunden, wird aber bisher nur zur Hälfte diskutiert: ein Losverfahren. Anstatt sich über diesen Vorschlag zu echauffieren sollte man vielmehr das große Potential erkennen, das in dieser genialen Idee verborgen liegt.
Man muss die Dinge nur mutig zu Ende denken. Das Los darf eben nicht nur auf eine Seite fallen. Wir schlagen daher folgendes Verfahren vor: Unter den achtzehnjährigen Männern wird ein Teil ausgelost und streng gemustert. Anschließend leisten die durch Los bestimmten Männer einen Wehrdienst oder bei Verweigerung aus Gewissensgründen einen Ersatzdienst.
Ebenso wird unter der Kohorte der angehenden, männlichen Rentner ein Teil ausgelost. Dieser wird gesundheitlich gemustert und bei Tauglichkeit wird das reguläre Renteneintrittsalter für diese Personen auf den 70. Geburtstag festgesetzt. Eine Verweigerung aus Gewissensgründen ist bei dieser Gruppe leider nicht möglich.
Dieser Vorschlag beruht auf möglichst analogen Zumutungen für beide Seiten im Generationenkrieg. Während die Jungen für ein wenig mehr Sicherheit sorgen und nebenher im Ersatzdienst auch bei der Altenpflege helfen, entlastet ein späterer Renteneintritt die Rentenkasse und damit auch die jüngere Generation. Ausgedehnt auf Beamte im Pensionsalter hilft der Vorschlag auch bei der Sanierung der Staatsfinanzen. Stichwort Abbezahlung der Schulden aus dem Sondervermögen Bundeswehr. Eine Win-Win-Situation.
Nun werden einige rasch einwenden, dass eine Verschiebung des regulären Renteneintrittsalters um gut drei Jahre viel länger ist, als ein Wehr- oder Ersatzdienst der vielleicht 6 Monate oder ein Jahr dauern könnte. Doch diese scheinbare Gerechtigkeitslücke wird dadurch ausgeglichen, dass Menschen im Wehrdienst im Falle einer weiteren militärischen Spezialoperation eventuell ein gegenüber der Gesamtbevölkerung erhöhtes Sterberisiko haben. In diesem Fall verlieren sie auch alle künftigen Rentenansprüche, also im Schnitt sogar mehr als drei Jahre Ruhestand.
jk

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