Rezension: Die Morde im Dekagonhaus von Yukito Ayatsuji

Die Morde im Dekagonhaus von Yukito Ayatsuji

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“Die Morde im Dekagon Haus” von Yukito Ayatsuji 
rezensiert von Hardy Vollmer 
2026

Der Roman lockt mit Superlativen. Denn in welchem Kriminalroman findet man die führenden Krimiautorinnen und Autoren zusammen: Ellery Queen, John Dickson Carr, Gaston Leroux, Agatha Christie, Edgar Allan Poe, Baroness Orczy und S.S. Van Dine. Und alle werden im Laufe der Handlung nach und nach ermordet. Und das auf einer einsamen Insel, auf der schon Jahre zuvor mehrere Morde passierten und wo man schon weiß: es war der Gärtner.
Man ahnt es schon, der Autor Yukito Ayatsuji spielt mit dem Genre und darin ist er ein Meister. Parodiert wird hier die Herausforderung für jede Autorin und jeden Autor des Krimigenre: Der Mord im geschlossenen Raum. Hier erweitert auf den Raum der einsamen Insel.
Tatsächlich finden wir hier allerdings nicht die berühmten Krimiautorinnen und -Autoren, sondern 5 Studenten und 2 Studentinnen eines Krimi-Clubs, die sich nach ihren beliebten Vorbildern nennen.  Vor einem Jahr geschah auf dieser Insel ein grauenhafter ungeklärter Vierfachmord, bei dem das Anwesen des exzentrischen Architekten Nakamura Seiji niederbrannte. Flüchtig ist einzig der Gärtner, der damit hauptverdächtigt, aber noch nicht gefasst wurde. 
Die Studenten beziehen das einzige noch stehende Gebäude: das Dekagon-Haus – ein bizarres Gebäude, in dem alles, von den Wänden bis zu den Tassen, zehneckig ist und das ist kein Zufall.  Der Grund, warum sie auf der Insel sind, ist klar. Sie wollen herausfinden, was damals auf der Insel passiert ist, und die Aufklärung der Morde soll mit Hilfe der Methoden gelingen, die sie aus ihren Kriminalromanen kennen.  Aber schon am nächsten Morgen wird klar, dass das Ganze kein lustiges Rätselraten ist. Sie finden sieben Plastikschilder auf dem Esstisch. Darauf steht: Erstes Opfer, Zweites Opfer, Drittes Opfer, Viertes Opfer, Der Mörder, Der Detektiv, Das letzte Opfer. Die Morde beginnen und folgen einem Muster.  Das Zehneck ist ein Symbol für das geschlossene System des Romans.  Jeder Student bewohnt eines der trapezförmigen Zimmer, die um den zentralen  Gemeinschaftsraum (das Herz des Zehnecks) angeordnet sind. Die Architektur erlaubt es dem Mörder, Bewegungen zu kalkulieren. Wer wann welchen Raum verlässt, wird zu einer mathematischen Variablen im Plan des Täters.
Die Gruppe verfällt in Paranoia. Da die Insel völlig isoliert ist und es kein Boot gibt, ist klar: Der Mörder muss einer von ihnen sein. Und die düstere Erkenntnis ist:  „Wir sind hier nicht auf einem Ausflug. Wir sind in eine Falle geraten, die vor langer Zeit gestellt wurde. Und das Schlimmste ist nicht, dass wir sterben könnten – das Schlimmste ist, dass wir einander ansehen und uns fragen müssen: Bist du es? Bist du derjenige, der mich heute Nacht umbringen wird?“
Die Suche nach dem Motiv überlässt der Autor allerdings nicht nur den Studenten auf der Insel. Zwei auf dem Festland verbliebene Mitglieder des Krimi-Clubs erhalten mysteriöse Briefe des auf der Insel ermordeten Architekten. Werden sie das Geheimnis der Morde im Dekagon-Haus lösen, bevor der letzte Student auf der Insel stirbt?
Dem Autor  Yukito Ayatsuji  ist ein spannender Kriminalroman gelungen, der sich an die klassischen Regeln des Whodunnit-Krimis hält. Wie bei Sherlock-Holmes oder Hercule Poirot, wird Baustein für Baustein zusammengetragen und mit Hilfe logischer Folgerungen letztlich das Rätsel gelöst. Mit seinem Erstlingsroman, der 1987 herauskam, gründete  Yukito Ayatsuji  auch ein neues Genre: den Honkaku-Krimi.  In den 1980er Jahren war der japanische Krimi Markt von sozialkritischen Krimis dominiert, die sich auf gesellschaftliche Probleme und polizeiliche Ermittlungen konzentrierten. Ayatsuji fand das langweilig.
Er wollte zurück zum „reinen Rätsel“. Er forderte Krimis, die wie ein Spiel oder ein logisches Puzzle funktionierten.  Das ist ihm mit seinem Debüt-Roman “Die Morde im Dekagon-Haus” hervorragend gelungen. Weitere Romane folgten und wir können uns freuen, der Limes-Verlag hat angekündigt, noch mehr Romane von Yukito Ayatsuji zu übersetzen. Schon im Sommer können wir uns auf ein weiteres Mords-Rätsel freuen, da erscheint: “Die Toten in der Wassermühle”

Ich habe den Roman vorgestellt: “Die Morde im Dekagon Haus” von Yukito Ajatsuji. Im Orginal 1987 erschienen auf deutsch 2025 im Limes-Verlag.