Doğan Akhanlı: Auslieferung des Schriftstellers noch immer in der Schwebe

Doğan Akhanlı: Auslieferung des Schriftstellers noch immer in der Schwebe

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Dogan Akhanli 2009
Quelle: 
© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Am frühen Morgen des 19. August umzingelten schwer bewaffnete Polizeikräfte ein Feriendomizil in Granada und waren nicht wenig überrascht, als ihnen ein freundlicher, 60-jähriger Mann die Türe öffnete, der aus der Türkei stammende deutsche Schriftsteller Doğan Akhanlı. Nach den Angaben der türkischen Regierung gegenüber Interpol, rechnete man eher mit einem bewaffneten und fluchtbereiten Gangster. Nach einer Intervention der Bundesregierung kam Doğan Akhanlı zwar frei, aber das Auslieferungsverfahren wird weiter betrieben und er darf Spanien nicht verlassen. Radio Dreyeckland sprach mit Jan Henkel vom Unterstützerkreis von Doğan Akhanlı.

In dem Gespräch wird auch der Fall des ebenfalls in Spanien wegen eines Auslierungsbegehrens der Türkei festgehaltenen schwedischen Journalisten Hamza Yalcin angesprochen. Yalcin befindet sich seit Anfang August ununterbrochen in Haft. Ihm wird offenbar vorgeworfen, die "Revolutionäre Volksbefreiungspartei - Front" (DHKP-C) von Frankreich aus geleitet zu haben. Während es eine solche Organisation wenigstens gibt, bzw. gegeben hat, ist die Organisation "Doğan K.", zu der Doğan Akhanlı gehören soll, völlig unbekannt.

Weitere Meldungen in diesem Zusammenhang:

Die noch amtierende Bundesregierung macht mit ökonomischen Maßnahmen wegen der in der Türkei inhaftierten Deutschen (halb)ernst: Die Hermesbürgschaften für Exportgarantien deutscher Firmen in die Türkei wurden auf maximal 1,5 Mrd. Euro im Jahr beschränkt. In den ersten 8 Monaten  dieses Jahres sind allerdings erst Hermesbürgschaften für die Türkei in Höhe von 380 Mio. Euro angelaufen. Im Vergangenen Jahr waren es 1,1 Mrd. im ganzen Jahr. Angesichts dieser Zahlen dürfte die wichtigste Auswirkung der Deckelung sein, dass sich einige Beamte im Wirtschaftsministerium in Ankara ins Knie lachen.

Ein Staatsanwalt in Diyarbakir hat erklärt, die Türkei werde auch die Auslieferung des ehemaligen Chefredakteurs der Zeitung Cumhuriyet, Can Dündar verlangen. Dündar hält sich in Deutschland auf. Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Terrorismus. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bereits vor Beginn des Prozesses im Fernsehen eine harte Bestrafung Dündars angekündigt. Erdogan tritt auch persönlich gegen Dündar als Nebenkläger auf. Unter anderem wird Dündar die Veröffentlichung eines Fotos zur Last gelegt, das zeigen soll, wie von der Türkei Waffen an den "Islamischen Staat" geliefert wurden. Ein Abgeordneter, der das Foto der Zeitung gegeben haben soll, wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. Can Dündar droht erschwerte lebenslängliche Haft.