Städtischer Leerstand - denkmalgeschützt und abrissbedroht: Dreikönigshaus in Freiburg besetzt - und geräumt

Dreikönigshaus in Freiburg besetzt - und geräumt

Dreikönigshaus Frontansicht.JPG

Das besetzte Dreikönigshaus
Das für 90 Minuten wieder in Betrieb gesetzte Dreikönigshaus
Quelle: 
RDL

"Die WG" (Wohnraum gestalten" hatte am Donnerstag den 20. Dezember wieder ein Haus besetzt - und zwar laut ihrer Pressemitteilung seit 15:40 Uhr das Dreikönigshaus in der Schwarzwaldstraße 31. Wir haben live auf unserem twitter-Account - (u. a. Video vom beginnenden Polizeieinsatz und Video-Interview mit JPG-Stadträtin Monika Stein) berichtet, einen Liveticker bot Die WG hier außerdem selbst an.

Interview mit einer Person von der Kampagne "Die WG": 3:16

Interview mit einem wohnungslosen Mann, der oft in der Schwarzwaldstraße ist: 4:27

Um 17:20h begann bereits die Räumung - um 17:55 war das Haus geräumt. Die Stadt habe einen Strafantrag gestellt, erklärten die Einsatzkräfte. Bei ihren eigenen Gebäuden schert sich die Stadtverwaltung wohl nicht um das Zweckentfremdungsverbot? Um kurz vor 18 Uhr war in der städtischen Pressestelle telefonisch niemand zu erreichen.

"Das Haus wieder nutzen"

Der Plan der Besetzer*innen hörte sich konstruktiver an: "Wir möchten das Haus wieder nutzen, es als Wohnraum und sozialen Treff gebrauchen. Deshalb ist die Ladenfläche im Erdgeschoss ab sofort als Kneipe und Café eröffnet, für die darüber liegenden Wohnungen möchten wir Pläne zum gemeinschaftlichen Wohnen schmieden."

Schnell machte die Freiburger Stadtverwaltung diesen Plänen einen vorläufigen Strich durch die Rechnung. Innerhalb von weniger als 2 Stunden umstellte und räumte die Bereitschaftspolizei das Gebäude. Ein Mensch der während der Räumung vor dem Haus stand, kommentierte: 0:46

Sofort räumen statt Dialog - Die neue Linie der Stadtverwaltung unter Horn?

Monika Stein, Freiburger Stadträtin für die Grüne Alternative, besuchte den Ort des Geschehens - und äußerte sich kritisch gegenüber der Räumung.6:50

 

In ihrer Presseerklärung liefert "Die WG" Hintergründe zu dem Gebäude.

"Das der Stadt gehörende Haus steht seit etlichen Jahren leer, seit 2013 steht ein möglicher Abriss für den Bau des "Stadttunnels"ab 2025 zur Diskussion. 2015 brannte der Mittelteil der ehemals drei in Reihe gebauten Häuser unter mysteriösen Umständen ab. Das Mittelhaus, das wie das gesamte Dreikönigshaus unter Denkmalschutz stand, wurde trotzdem ohne Pläne eines Wiederaufbaus abgerissen. Wohl auch zugunsten des 300-Millionen Projekts „Stadttunnel“ gibt es keine Pläne für die immer noch bestehende Brache. Die Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute Gaststätte wurde 1921 der Stadt zugeführt und als Volxküche verwendet, später wurde das Dreikönigshaus von verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen genutzt. Der nun freistehende Westteil wird noch heute als Essenstreff gerne besucht. Es ist zynisch: direkt neben dem Essenstreff, der warme Mahlzeiten an Bedürftige und Wohnungslose verteilt, steht seit Jahren ein Haus leer. Das Dreikönigshaus ist ein Symbol für die Freiburger Wohnungspolitik: Während die Mieten steigen und bedürftige Menschen auf der Strecke bleiben, stehen sogar städtische Gebäude leer. Hier bringen weder die leeren Worte des Stadtrats, noch der unzureichende Mieterhöhungsstopp der Stadtbau etwas. Statt sich Gedanken über eine nötige Renovierung und die Instandhaltung des Gebäudes zu machen, lässt die Stadt Zeit verstreichen. Sie diskutiert 12 Jahre vor dem geplanten Start der Baustelle des Monsterprojekts über einen Abriss und macht sich offensichtlich keine Gedanken über eine zwischenzeitliche Nutzung des Gebäudes."