Aktivist*innen protestieren gegen Verdrängung und Wohnungsnot: Besetzte Guntramstr. 44 im Stühlinger wurde geräumt

Besetzte Guntramstr. 44 im Stühlinger wurde geräumt

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Das besetzte Haus
Die Guntramstr. 44
Quelle: 
Lente/RDL

Dieser Artikel wurde regelmäßig von unseren Korrespondent*innen vor Ort aktualisiert und erweitert. Die Live-Berichterstattung ist nun vorbei. Letztes Update: 18:10

In den frühen Morgenstunden des 8. Dezember entrollen Aktivist*innen ihre Transparente von dem Gebäude der Guntramstr. 44. Das Haus ist besetzt, schreiben sie in ihrer Pressemitteilung, aus Protest gegen "Mietenwahnsinn und Verdrängung".

Die WG, wie die Besetzer*innen sich nennen, wollen im Erdgeschoß einen nicht-kommerziellen Raum eröffnen; einen Treffpunkt und eine Art Café, in dem sich die Nachbar*innenschaft treffen kann und Alternativen zur Stadtpolitik "von unten" entwickeln soll. Nach Angaben der Besetzenden wurden die letzten Mietparteien mit Mieterhöhungen, Eigenbedarfsankündigung und dem Abstellen des Stroms aus dem Haus vertrieben.

Eine der Besetzerinnen verkündet, die Aktion ziele darauf, die Vertreibung, Luxussanierung und darauf folgende Neuvermietung zu hohen Preisen sichtbar zu machen. Die WG - kurz für "Wohnraum Gestalten" - schreibt: "Die zaghaften Versuche der Stadt dem Mietenwahnsinn entgegenzusteuern reichen bei weitem nicht aus. Deshalb nehmen wir das jetzt selbst in die Hand." 0:47

Eine Einigung mit dem Eigentümer, der selber vorbei geschaut hatte, konnte nicht erzielt werden und dieser kündigte an das Haus räumen zu lassen.

Interview mit Linus zu den Hintergründen der Aktion: 5:18

Die Passant*innen und Nachbar*innen nehmen die Besetzung positiv auf: 1:26

SPD Stadtrat Walter Krögner sicherte zukünftigen HausbesetzerInnen seine Unterstützung zu. 6:31

Auch die SPD Landtagsabgeordnete Gabi Rolland sprach von einem starken Signal, das von der hausbesetzung ausgehe. 1:56

Die besetzte Wohnung wurde nach zehn Stunden von der Polizei geräumt. Dabei wurden die Unterstützer*innen vor dem Haus mit unangekündigter körperlicher Gewalt zurück gedrängt und den Menschen die sich im Erdgeschoss befanden keine Gelegenheit gegeben das Haus friedlich zu verlassen. Bis alle Transparente entfernt wurden und alle Personen von der Polizei in gewahrsam genommen wurden verging nochmal eine Stunde unter lautstarker Begleitung des Protestes auf der Straße vorm Haus. Die Festgenommenen wurden kurz darauf alle freigelassen.

Liveticker - Beendet

Hier ergänzen wir aktuelle Ereignisse, Interviews, Bilder, etc. Die Seite lädt nicht automatisch nach!

18:10

Alle 8 Personen sind mittlerweile freigelassen.  Fürs erste ist die Aktion laut der Gruppe "Wohnraum Gestalten" beendet. Wir beenden hiermit unsere Live-Berichterstattung. Danke fürs lesen!

17:58

Inzwischen sind sechs Personen freigelassen worden, laut der WG Gruppe fehlen noch weitere Personen. Gut dreißig Leute warten solidarisch auf die letzten Gefangenen. Die ursprüngliche Zahl von fünf Gefangenen war nicht richtig. Die Polizei spricht in ihrer Presseerklärung von 8 Personen, die sich nun wegen Hausfriedensbruch verantworten müssen.

17:13

Von der Guntramstraße aus bewegt sich jetzt eine Spontandemonstration zum Polizeirevier Nord und fordert die Freilassung der Personen die aus dem besetzten Haus abgeführt wurden. Insgesamt wurden fünf Personen aus dem Haus abgeführt.

16:20

Mindestens eine Hundertschaft der Polizei kam mit Hunden, sperrte die Straße von beiden Seiten und drängte Aktivist*innen sowie Unterstützer*innen ohne jedwede Ankündigung vom Haus weg. Vereinzelte Leute werden von der Polizei im Erdgeschoß festgehalten. Zuvor hatte die Landtagsabgeordnete Gabi Rolland (SPD) noch versucht, auf Aktivist*innen einzureden. Die Räumung im Ablauf: 4:461:190:31

15:23

Die Aktivist*innen haben mittlerweile eine Pressekonferenz im besetzten Haus abgehalten. Wir haben die Konferenz für euch in voller Länge aufgezeichnet: 37:05

Es sprachen mehrere Aktivist*innen mit bunten Perücken sowie zwei ehemalige Mieter*innen mit der Presse und Mitgliedern des Gemeinderats. Bei den Gemeinderäten ist insgesamt die Unterstützung für die Besetzung sehr hoch, doch die Aktivist*innen befürchten heute noch eine Räumung durch die Polizei.

12:36

Der Eigentümer verlangt, dass die Aktivist*innen innerhalb einer Stunde das Haus verlassen. Dabei erwähnt er beiläufig, dass ja nicht jeder das Recht habe, zu wohnen wo er will. Vier Fahrzeuge der Bereitschaftspolizei stehen ein paar Straßen weiter.

12:00

Während die Polizei schon länger wieder weg ist, ist inzwischen der Eigentümer im Haus. Dieser hat den Strom abgestellt und versuchte einen Aktivistix die Vermummung vom Gesicht zu reisen. Derzeit befindet er sich im Haus und diskutiert mit den Besetzer*innen.

10:23

Zwei Streifenpolizisten haben der Besetzung gerade ein Besuch abgestattet. Sie begutachten das Haus und Telefonieren. Vor dem Haus sind immer mehr Menschen und es gibt weiterhin Essen und warmen Tee.

09:37

Die Besetzer*innen erklären sich solidarisch mit der Hausbesetzung in Tübingen und mit dem Kampagnenstart von Mission 2020. Unseren Informationen zufolge hat der Kultur- und Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, nachdem er am Haus vorbei gekommen ist, auch den Gemeinderat über eine WhatsApp-Gruppe über die Hausbesetzung informiert.

Solifotos

08:11

Vor dem Haus steht ein Tisch mit ausgiebigen Brunch, das Haus ist offen, Transpis hängen und Passant*innen halten an für Gespräche.

07:28
Derzeit versammeln sich am Haus Unterstützer*innen und weitere Personen, die Besetzer*innen rufen Menschen dazu auf vorbei zu kommen, sich solidarisch zu zeigen und sich mit ihnen zu treffen.