Runter vom analogen Abstellgleis: Es wird Zeit: Freie Radios auch auf DAB+ !

Es wird Zeit: Freie Radios auch auf DAB+ !

Unsere Infobroschüre zur Digitalisierung und was sie für die Zukunft des Hörfunks bedeutet: PDF iconrdl-dab5g-flyer-04.pdf

Die freien Radios in Baden-Württemberg müssen spätestens ab 2020 neben UKW auch über DAB+ empfangbar sein! Wir verlangen die Finanzierung je eines DAB+ Betriebs für die freien Radios, finanziert aus dem Rundfunkbeitrag. Sie sollen in den 4 Regionen die Möglichkeit erhalten als Programmensemble-Betreiber einen DAB+ Multiplex aufzubauen.

Um dies zu erreichen, sind ggf. Nachjustierungen am Landesmediengesetz notwendig, auch um die hierzu nötigen Fördermittel freizumachen. Die Förderung durch die LFK könnte über eine Reduzierung des SWR-Vorwegabzugs im LFK-Haushalt ermöglicht werden. Werden beim Aufbau des Multiplexes SWR-Sendestandorte genutzt, wäre diese Reduzierung naheliegend, denn der SWR würde über die Vermietung der bislang allein genutzten Antenne im Gegenzug Einnahmen erzielen.

Kein analoges Abstellgleis für freie Radios!

Derzeit stellt die LFK eine Förderung für DAB+ erst nach dem Ende von UKW in Aussicht, so in einem Gespräch mit den freien Radios (Februar 2018). Das Budget für die Förderung der Signalzuleitung und Sendetechnik sei durch die laufenden Kosten des UKW-Betriebs komplett aufgezehrt. Die freien Radios müssten damit in der für die Akzeptanz entscheidenden Übergangsphase zu DAB+ auf den neuen Verbreitungsweg verzichten. Ob sich nach dem Ende von UKW die bereits zu anderen DAB+-Programmen gewechselten Hörer*innen wieder zurückgewinnen lassen, dürfte mehr als fraglich sein.

Politik und LFK muss auch den freien Radios in Baden-Württemberg, immerhin dem Bundesland mit den meisten freien Radios, eine digitale Perspektive neben UKW bieten. Abgesehen von einigen wenigen privat-kommerziellen Lokalradios sind die freien Radios mittlerweile die einzigen im Land ohne einen Simulcast-Betrieb von UKW und DAB+. Wenn DAB+ erst nach Abschalten von UKW gefördert wird, landen die freien Radios auf dem analogen Abstellgleis. Längst bietet die LFK schon heute allen kommerziellen DAB+-Programmen eine Vermarktungsprämie von bis zu 40.000 Euro an.

Andere Länder ergreifen die Initiative: So fördert nach Bayern seit diesem Jahr die hessische LPR bei den dortigen freien Radios einen Simulcast von UKW und DAB+.

  • Die LFK fördert bei den privat-kommerziellen Radios Informations- und Marketingmaßnahmen für die Einführung von DAB+ mit bis zu 40.000 Euro,
  • die LFK ignoriert selbst das von der LFK beauftragte Goldmedia-Gutachten zur Ausgestaltung der lokalen Hörfunklandschaft in Baden-Württemberg 2025, das den Erfolg von DAB+ stark von der Formulierung einer Förderpolitik abhängig macht (Goldmedia-Gutachten, S.75).

Was in der Studie für die privat-kommerziellen Radios als notwendig formuliert wird, gilt noch dringlicher für die nichtkommerziellen freien Radios. Eine Förderpolitik für einen Simulcast UKW und DAB+ in Eigenregie der Rundfunkveranstalter muss jetzt initialisiert werden, denn schon längst hat der digitale Umbruch im Äther begonnen – hier einige Beispiele:

  • im Nachbarland Dänemark wird 2021 UKW abgeschaltet,
  • die Schweiz wird 2024 nachziehen,
  • in Norwegen wurde UKW bereits abgeschaltet und hat zu einem beträchtlichen Verlust an Hörer*innen vor allem mangels Endgeräteausstattung geführt
  • in Bayern beteiligt sich der BR an einem Pilotversuch mit Mobilfunkstandard 5G
  • in Bayern sind alle UKW-Veranstalter dank BLM-Förderung auch über DAB+ empfangbar
  • zahlreiche Programme sind längst über DAB+ empfangbar ... usw.

Förderung regionaler Multiplexe

Mit einer Förderung von je 40.000 € könnten die freien Radios im Eigenbetrieb zwei regionale Bedeckungen mit einem je eigenen regionalen Multiplex aufbauen. Besonders eignen sich hier die Standorte des SWR – so wäre in Freiburg nach Auskunft des SWR eine Antennenmitbenutzung am Sender Schönberg möglich. Über eine Reduzierung des SWR-Vorwegabzugs im LFK-Haushalt könnten hierfür nötige Fördermittel frei gemacht werden. Ein Großteil dieser Mittel würde aber dem SWR wieder über die Vermietung seiner Antennen zufließen.

1.) Wir verlangen die Finanzierung je eines DAB+ Simulcastbetrieb für Nichtkommerzielle Radios (NKL) finanziert aus dem Rundfunkbeitrag (ggf. aus dem Vorwegabzug)

2.) Die NKL Bewerber in den 4 Regionen erhalten die Möglichkeit als Programmensemble-Betreiber einen DAB+ Mux aufzubauen in

  • Südbaden (RDL /KanalR/ PH-UniRadio) ggf mit Freudenstadt (u.a. Frequenzen: Eggingen, Blauen, Schönberg Lahr, Hornisgrinde)
  • Nordbaden (Querfunk /Bermudafunk/ Muho)
  • Nordwürttemberg (Stuttgart/ SWH/ Göppingen)
  • Südl.Württemberg (Tübingen, Ulm und perspektivisch Konstanz)

3.) Die LfK finanziert die Erstinvestition für das Programmbouquet (Sender und Zuleitungen) mit einem einmaligen Zuschuss von 100%

4.) Simulcast mit UKW wird zumindest je NKL mit 40.000 € zur Deckung der Betriebsausgaben fortlaufend finanziert.

5.) Die NKL als regionale Programmbouquet-Veranstalter bestellen im Einvernehmen mit der LFK die weiteren Programme. Ab 2019 kann der regionale Mux in Betrieb gehen. Gegebenenfalls sollten für weitere Programme Capacity Units freigehalten werden.

Freiburg, Mai 2018

Goldmedia-Gutachten zur Ausgestaltung der Lokalen Hörfunklandschaft in Baden-Württemberg 2025:

https://www.lfk.de/fileadmin/media/pdf/Goldmedia-Gutachten-Ausgestaltung...

Pressemitteilung als PDF: PDF iconFreieRadiosAufDAB2.pdf