Jazznight Sonntag 16.5. 22:00 Uhr

In der Jazznight könnt ihr  einige neue Einspielungen des englischen Saxophonisten Evan Parker hören

images

Der englische Trompeter und Jazzhistoriker Ian Carr bemerkt zu Evan Parker: »Er ist ein völlig kompromissloser, radikaler Experimentator«,»Von Musikern aller Richtungen wird er als Meistersaxophonist geschätzt und als Mann, der möglicherweise eine neue Sprache schöpft - oder eher einen neuen Dialekt der Jazzsprache.« soweit Ian Carr.
Zu diesem neu Jazz-Dialekt zählen Zirkularatmung, Doppel- Flatterzunge und Überblastricks, mit denen er den Ton in Grund- und Obertöne aufspaltet und eine Intensität erreicht, die Joachim-Ernst Berendt mit der von  Pharoah Sanders vergleicht, zu der aber auch etwas von der melodischen Mobilität eines  Marion Brown komme.

Jazznight Sonntag 16.5. 22:00 Uhr

parker.jpg

parker
parker
Lizenz: 
Keine (all rights reserved)

In der Jazznight könnt ihr  einige neue Einspielungen des englischen Saxophonisten Evan Parker hören

images

Der englische Trompeter und Jazzhistoriker Ian Carr bemerkt zu Evan Parker: »Er ist ein völlig kompromissloser, radikaler Experimentator«,»Von Musikern aller Richtungen wird er als Meistersaxophonist geschätzt und als Mann, der möglicherweise eine neue Sprache schöpft - oder eher einen neuen Dialekt der Jazzsprache.« soweit Ian Carr.
Zu diesem neu Jazz-Dialekt zählen Zirkularatmung, Doppel- Flatterzunge und Überblastricks, mit denen er den Ton in Grund- und Obertöne aufspaltet und eine Intensität erreicht, die Joachim-Ernst Berendt mit der von  Pharoah Sanders vergleicht, zu der aber auch etwas von der melodischen Mobilität eines  Marion Brown komme.

In den letzten Monaten sind drei Alben von Evan Parker herusgekommen:

- Das Projekt SET

- Eine Trio Aufnahme mit dem Titel "relevance" eingespielt mit dem Saxophonisten Dave Liebman und dem Schlagzeuger Tony Bianco

- und das SoloProjekt whistable Solo

zu dem Projekt SET

parkerFür die Donaueschinger Musiktage 2003 erhielt Parker ein Kompositionsauftrag. Herausgekommen und gespielt wurde dann "'SET' for Lynn Margulis". Der Titel nimmt Bezug auf die "Serial Endosymbiosis Theory" (serielle Symbiontentheorie, kurz: SET), die die Biologin Lynn Margulis zu einem radikal anderen Evolutionskonzept führte als dem herkömmlichen darwinistischen. Die Urform allen differenzierten Lebens, so die zentrale These in Margulis' Buch "Symbiotic Planet" ("Die andere Evolution"), sei in eukaryotischen Bakterienstämmen zu suchen, also in kleinsten Lebewesen mit kernhaltigen Zellen, die sich im Laufe der Erdgeschichte immer weiter entwickelt haben: beginnend durch Symbiose mit anderen Eukarya. Die Symbiogenese, so schreibt Margulis, vereint verschiedenartige Individuen zu großen, komplexeren Gebilden. So entstandene Lebensformen sind sogar noch andersartiger als ihre ungleichen 'Eltern'. Ständig verschmelzen 'Individuen' und passen ihre Fortpflanzung an. Sie bringen neue Populationen hervor, die zu symbiontischen neuen Wesen aus vielen Einzelelementen werden. Diese wiederum organisieren sich auf einer höheren, umfassenderen Integrationsebene zu neuen Individuen.

Die radikale Konsequenz aus dieser biologischen Beobachtung lautet: dass die Zellen der Pflanzen und unseres eigenen, tierischen Körpers (aber auch die der Pilze und aller anderen Lebewesen, die aus Zellen mit einem Zellkern bestehen) durch eine ganz bestimmte Abfolge von Verschmelzungen unterschiedlicher Bakterienarten entstanden waren. Womit nicht nur die herkömmlichen Entstehungstheorien, sondern auch die auf Aristoteles zurückgehende Einteilung der Arten problematisch würde: Ist menschliches Leben in der Tat durch die fortschreitende Symbiogenese ursprünglicher Bakterienkulturen entstanden so wie tierisches und pflanzliches Leben, so hielte auch die Trennlinie zwischen Flora und Fauna nicht länger stand.

Was Parker zweifellos an dieser Theorie faszinierte, ist jenes konstatierte Miteinander des Verschiedenen, das in der Verschmelzung zu einem völlig neuen Organismus wird. Ähnliches lässt sich derzeit auch in der experimentellen Musikszene beobachten, in der Komponisten zu Improvisatoren, Improvisatoren zu Elektronikern und Elektroniker zu Komponisten werden: indem sie Klänge auf ihren Notebooks neu zusammensetzen. Genau betrachtet setzt sich Parkers Donaueschinger Ensemble aus drei unterschiedlichen Mikro-Organismen zusammen:

Da ist einmal sein rein instrumentales Trio mit dem Bassisten Barry Guy und dem Schlagzeuger Paul Lytton, eine Formation, die seit Anfang der achtziger Jahre besteht und wohl zu den am besten aufeinander eingespielten Gruppen der freien Improvisationsszene zu zählen ist. Die unbändige Energie, die von Lytton ausgeht, der neben dem traditionellen Schlagzeug ein schier unerschöpfliches Reservoir an Perkussionsinstrumenten spielt, paart sich mit Parkers von endlosem Circular breathing und hochkomplexen Multiphonics bestimmtem Saxophonspiel auf geradezu symbiotische Weise. Dazu gesellt sich der hoch kreative Spielwitz des gelegentlich auch Barockmusik interpretierenden Barry Guy, der mit seinem klangvollen Kontrabassspiel immer wieder erstaunliche Akzente zu setzen weiß.Den zweiten Mikro-Organismus bilden die hinzukommenden Musiker des Electro-Acoustic Ensemble: die beiden Italiener Walter Prati, der erste, mit dem Parker Anfang der neunziger Jahre im Duo elektronische Musik gespielt hatte, und Marco Vecchi, der für die Klangbalance der Live-Elektronik sorgt, sowie Lawrence Casserley, der über eine digitale IRCAM-Workstation und ein großes Mischpult verfügt, um den ohnehin schon komplexen Sound Parkers elektronisch noch einmal zu verdichten. Der dritte musikalische Organismus ist das Elektroniker duo Furt, das aus den beiden britischen Komponisten Richard Barrett und Paul Obermayer besteht, die seit nahezu zwei Jahrzehnten auch als Elektronik-Solisten auftreten, mit Notebooks und vorbereiteten Samples.

Die Aufnahme der Donaueschinger Musiktage ist jetzt von dem Label Emanem herausgebracht worden und besteht aus drei Teilen. Eine Einleitung die im Studio aufgnommen wurde dann das Konzert aus Donaueschingen und abgeschlossen wiederum von einer fünfmiütigen Studioaufnahme.