Migrantische Tagelöhner streiken aus Protest: Mord an afrikanischem Erntehelfer und Gewerkschaftsaktivisten in Süditalien

Mord an afrikanischem Erntehelfer und Gewerkschaftsaktivisten in Süditalien

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Soumayla Sacko
Soumayla Sacko
Quelle: 
USB

Nach dem Mord an einem malischen Gewerkschaftsaktivisten in Kalabrien streikten dort am gestrigen Montag die Tagelöhner. Der 29-jährige Soumayla Sacko war Samstagnacht von einem Unbekannten erschossen worden, als er zwei anderen jungen Maliern dabei half, in einer seit Jahren verlassenen Fabrik Bleche zu sammeln. Mindestens einer der beiden Begleiter von Soumayla Sacko wurde durch die Schüsse verletzt.

Das Blech hatten sie für den Bau von Hütten in der Zeltstadt verwenden wollen, in der sie, wie viele Migranten in Süditalien lebten. Die Polizei riegelte die Zeltstadt nach dem Vorfall gegen den Willen der Bewohner ab und verhinderte so den Zutritt von JournalistInnen.

Soumayla Sacko hatte seit mindestens 8 Jahren in Italien gelebt und hatte einen regulären Aufenthalt. Er war einer von vielen Migranten, die in Süditalien als Tagelöhner zu Hungerlöhnen und schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen als Erntehelfer, z. B. für Zitrusfrüchte, eingesetzt werden. Er war im Verband der Basisgewerkschaften, USB, aktiv.

Der Zeitung „La Repubblica“ zufolge ist die Polizei dem mutmaßlichen Täter, einem weißen Mann, bereits dicht auf der Spur. Für den Mord wird in Protestaufrufen einerseits die 'Ndrangheta verantwortlich gemacht, andererseits die derzeitige rassistische Stimmung.

Nach dem Mord zündeten BewohnerInnen der Zeltstadt aus Protest Müll an und demonstrierten. Dem Streikaufruf des Gewerkschaftsverbandes USB folgten laut „La Repubblica“, zumindest in der betroffenen Gegend, alle Tagelöhner. Auch für die kommenden Tage haben USB-Sektionen unter dem Motto „Die fetten Jahre sind vorbei“ in ganz Italien Proteste angekündigt. (jw)