Seit 9 Jahren engagieren wir uns als Geflüchtete für unsere Rechte in Freiburg. In den letzten Jahren sind dabei immer mehr queere Menschen auf der Flucht zu uns gestoßen, weshalb bei Our Voice die Situation von queeren Geflüchteten gerade einen Schwerpunkt darstellt.
In vielen Herkunftsländern herrscht eine homophobe Kultur. Tradition und Religion machen uns das Leben schwer. Hinzu kommt die Kriminalisierung: es stehen hohe Geldstrafen, Gefängnisstrafen oder sogar die Todesstrafe im Raum.
Selbst wenn das Gesetz keine ausdrücklichen Strafen vorsieht, begünstigt das Fehlen von rechtlichem Schutz Polizeigewalt, willkürliche Verhaftungen und Straflosigkeit.
Doch in Deutschland angekommen, sind die Probleme queerer Geflüchteter keineswegs gelöst:
Hier auf dem CSD feiern wir die Freiheit - aber manche von uns können wegen der Residenzpflicht gar nicht herkommen. Wir müssen in Lagern leben, wo wir unser Geschlecht oder unsere sexuelle Ausrichtung häufig verstecken müssen. Der eingeschränkte Zugang zum Gesundheitssystem lässt unsere Traumata unbehandelt. Wir verfügen oft nicht über Bargeld, können keine Besuchen empfangen, die Sprache nicht lernen… und auf der Flucht vor der Homophobie der Islamisten werden wir oft selbst wie welche behandelt.
Im Asylverfahren werden wir ebenfalls weiter diskriminiert. Zwar gilt geschlechtsspezifische Verfolgung als Asylgrund, aber die Hürden der Anerkennung sind extrem hoch. Schon mal versucht, gegenüber einem Beamten eure Homosexualität nachzuweisen?
Anders als Heteros können die meisten von uns gar nicht verheiratet sein. Damit wird der Familiennachzug unserer Liebsten unmöglich, oder es kann passieren, dass nur einer von uns bleiben kann. Und wer – vielleicht aus Scham oder Angst vor weiterer Verfolgung – nicht schon bei der ersten Anhörung ausführlich von der Verfolgung als Queer berichtet, gilt in der Folge als unglaubwürdig.
Geflüchtete Queers in Deutschland stehen also vor einer besonders kritischen Lage, in der sich materielle Unsicherheit, Gewalt, administrative Hürden und soziale Unsicherheit verbinden. Selbst wenn auf dem Papier Schutz existiert, bleibt seine Umsetzung in vielen Kontexten ungleich und unzureichend. Unterstützungsinitiativen wie die Rosa Hilfe und der ROSA Rolling Saferspace leisten einen wichtigen Beitrag, doch ihre Mittel decken unseren gesamten Bedarf noch nicht ab. Um zu einem echten Schutz zu gelangen, brauchen wir eure Unterstützung.
Niemand von uns ist frei, bevor wir alle frei sind!
Heute hat die AfD in Umfragen schon die Mehrheit. Und die Bundesregierung reagiert darauf, indem sie uns Geflüchtete zur Befriedung des Pöbels an Kreuz nagelt.
Indem sie Migration als Problem und uns als Kriminelle darstellen , und indem sie mit Sprüchen wie den vom "Stadtbild" den Rassismus anheizen, folgen sie der Agenda der AfD. Im zweiten Schritt wollen sie als diejenige dastehen, die das "Problem" in den Griff kriegen. Dafür brechen sie ihre Versprechen und Verpflichtungen gegenüber afghanischen Ortskräften, dafür schaffen sie Rechtsmittel und Härtefallregelungen ab und verhindern Familienzusammenführungen. Dafür lassen sie uns im Mittelmeer ertrinken. Dafür stecken sie uns in Lager und entrechten und schikanieren uns. Dafür machen sie die Grenzen dicht und dafür bezahlen und hofieren sie Autokraten und bewaffnete Milizen.
Und wenn sie uns dann alle los sind, und die AfD führt immer noch in den Umfragen? Wer ist dann dran, was glaubt ihr? Der rechte Kulturkampf der Bundesregierung bedroht unser aller Freiheit.
Gemeinsam für unsere Freiheit und für ein menschenwürdiges Leben für alle!
KASTEN 1
« Ich bin von zu Hause weggegangen, als mein Onkel mich misshandelte und mir dabei den Zahn ausschlug, weil sein Sohn ihm sagte, dass er mich gesehen habe, wie ich einen anderen Jungen küsste. Ich war 14 Jahre alt. Ich wurde ständig überwacht und regelmäßig tagelang in der Gendarmerie eingesperrt... » — Idriss
KASTEN 2
Mehr über queere Geflüchtete erfahren mit “La Voix des Queers”
Die Gesetze gegen LGBT werden immer schärfer, sei es in Kamerun, Senegal oder Ghana. In Ländern wie Afghanistan oder Syrien stellen queerfeindliche islamistische Milizen die Regierung. Wenn es euch interessiert, was das für die Einzelnen bedeutet, hört euch unsere Podcast-Reihe „La Voix des Queers" an! Die gibt es auf deutsch und französisch, und queere Menschen auf der Flucht aus verschiedenen Ländern erzählen ihre Geschichte.
KASTEN 3
« Als ich in Deutschland ankam, wurde ich von den anderen Geflüchteten in der Unterkunft stark ausgegrenzt; alle wollten wissen, ob ich ein Mann oder eine Frau sei. Die Jungs belästigten mich ständig mit Fragen wie: Bist du ein Typ oder eine Tussi? Zur Essenszeit blieb ich immer in meinem Zimmer. Ich zog mich zurück, fiel in eine Depression und kam am Ende zu dem Schluss, dass es auch hier keine Freiheit gibt; ich plante sogar, mich unter den Zug zu werfen...» Shy

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