Am 5. März hat der Bundestag der Umwandlung des "Bürgergelds" zur "Grundsicherung" zugestimmt. Hinter dem neuen Etikett steht weitaus mehr: Mit Totalsanktionen einschließlich der Verweigerung der Kosten der Wohnung wird Menschen die Existenzgrundlage genommen und Stimmung gegen vulnerable Bevölkerungsgruppen gemacht. In seinem Vortrag "Reform des Bürgergeldes: Vom 'Arbeitsscheuen' zum 'Totalverweigerer'" gab Roland Rosenow, Professor für Recht der sozialen Sicherung an der Katholischen Hochschule Freiburg, am 17. 12. 2025 einen Überblick über die Funktionsweise des neuen im Vergleich zum früheren Sanktionsrecht sowie über die historische Entwicklung des staatlichen Umgangs mit Erwerbslosen seit der Weimarer Republik und entwickelt daraus eine Reihe von Thesen. Eine davon, hier grob skizziert: Die Gesellschaft reagiert auf Krisen mit Projektionen auf Bevölkerungsgruppen, und das mangelhafte Geschichtsbewusstsein für die Verfolgung von Menschen als "Asoziale" und "Arbeitsscheue" macht es möglich, dass diese Projektion heute, in der neuen Grundsicherung, ihren brutalen Ausdruck findet.

