Süd Nord Funk # 64: Globaler Klimapolitiknotstand

Süd Nord Funk # 64: Globaler Klimapolitiknotstand

# Interview zur aktuellen klimapolitischen Wetterlage # Was rockt die F4F-Bewegung? # Free the Soil # Auch Handelspolitik ist Klimapolitk: Das Mercorsur-Abkommen bedroht den Amazonas.

südnordfunk am 3. September 2019 auf 102,3 MHz / Wiederholung in Freiburg am Freitag den 6. September um 11 Uhr

https://www.iz3w.org/projekte/suednordfunk/64-klimapolitik-notstand

Interview: Wo steht die internationale Klimapolitik?

Gerade erst tagte der G7 Gipfel. Der französische Präsident hat die brennenden Regenwälder gegenüber dem brasilianischen Präsidenten angesprochen. Klimapolitik im Kreise der Kamingespräche der mächtigsten Regierungschefs der Welt? Und was kann diesen September von der UN-Vollversammlung in New York, die sich dem Klima widmet, politisch erwartet werden? Wird der Klimanotstand, den das Klimasekretariat in Bonn auf dem letzten Zwischengipfel proklamierte, der Klimadiplomatie einen Schubs geben? Eine Einschätzung der internationalen klimapolitischen Wetterlage mit Martina Backes.

Kurzbeitrag: Fridays4Future im Globalen Süden

Während in Berlin das Klimakabinett tagt und in New York einer der wichtigsten UN Gipfel des Jahres vorbereitet wird, werden weltweit die Klimastreiks der Fridays For Future Bewegung erwartet. Einige ihrer Anliegen hat Franzi für den südnordfunk zusammengestellt.

Reportage: Free the Soil   Die Kampagne gegen die verheerenden Praktiken industrieller Landwirtschaft und deren Auswirkungen: Was wollen die Massenaktionen zivilen Ungehorsams gegen das Düngemittelunternehmen YARA erreichen?  Ein Beitrag von Lisa Westhäuser.

„Die Kunstdüngemittelindustrie, das sind eigentlich die Exxons der Landwirtschaft. Dieser Prozess Kunstdünger herzustellen, ist äußerst energieintensiv. Und wenn man sich die Produktion, den Transport und den Abfall in der Landwirtschaft insgesamt anschaut, so sieht man, wie viele Treibhausgase da ausgestoßen werden - und wie viele Bäuerinnen und Bauern in Abhängigkeit geraten,“ sagt Khali von der Kampagne Free the soil. Sie will sichtbar machen, welche verheerende Rolle die industrielle Landwirtschaft für den Klimawandel spielt. Dafür plant sie ein Klimacamp und eine Aktion des zivilen Ungehorsams gegen den Konzern Yara in Norddeutschland.

Aus Sicht der AktivistInnen zerstören globale ProduzentInnen von Kunstdünger wie Yara vor allem im Globalen Süden kleinbäuerliche Strukturen und verschärfen damit die Klimakrise. Zum Beispiel in Mosambik, wo große Agrarkonzerne Druck auf die Regierung ausüben, kleinbäuerlichen Anbau durch Cash Crops und Monokulturen zu ersetzen. Ein Beitrag von Lisa Westhäuser.

Auch Handelspolitik ist Klimapolitk

Autos gegen Fleisch und Soja – so lautet die inoffizielle Version des Handelsabkommens zwischen den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay und den Mitgliedsstaaten der EU. Den Schutz des Regenwaldes, die Rechte von Indigenen und bäuerliche Interessen haben die Verhandelnden offenbar „vergessen“.

Obwohl das Abkommen schon seit 20 Jahren verhandelt wird, haben erst die kürzlich entstandenen Bilder von brennenden Amazonaswäldern dazu geführt, dass beteiligte VertreterInnen – zum Beispiel aus Frankreich und Irland – zumindest über die problematischen Klimafolgen des Abkommens nachdenken. Als Folge von größeren Sojafeldern und Rinderherden werden auch die Indigenen weiteren Verfolgungen und Vertreibungen ausgesetzt. Wir haben mit Bettina Müller, Referentin für Handels- und Investitionspolitik bei PowerShift, und mit Nikolaus Geiler von „Energiehunger? Nein danke!“ gesprochen, um mehr über die wirtschaftlichen Kalküle hinter dem quasi fertig verhandelten Abkommen zu erfahren - und über die Risiken für Menschen und Natur.