"Die historische Aufarbeitung für die Gruppe der Zwangsprostituierten ist überschaubar": Stolperstein für Luise B.

Stolperstein für Luise B.

In Krefeld wurde am 17.12.2025 der erste europaweite Stolperstein in Erinnerung an eine Zwangsprostituierte verlegt.

Der Bundesverband sexuelle Dienstleistungen BSD e.V. meldet dazu zitat: „Luise B. wurde während des 2. Weltkrieges gezwungen, in einem KZ als Zwangsprostituierte zu arbeiten. [Sie] lebte an der Dreikönigenstraße 98 in der Krefelder Innenstadt. Ihr war vorgeworfen worden, nicht zu einer regelmäßigen Kontrolle wegen eines Trippers zur Behörde gekommen zu sein. Allein wegen der Erkrankung galt sie als [sog.] hwg-Person = eine Person mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern, wozu automatisch alle weiblichen Prostituierten gezählt wurden. Die nicht durchführte Kontrolle galt als Straftatbestand“. Deshalb wurde die damals 23jährige verhaftet und in das Konzentrationslager Ravensbrück verbracht. 1943 wurde sie mit 15 anderen Frauen in das KZ Buchenwald verlegt und musste im dortigen Lagerbordell den anderen KZ-Insassen für sexuelle Dienstleistungen zur Verfügung stehen. Am 09.01.1945 wurde sie aus der KZ-Haft entlassen. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

Der BSD bewertet das Gedenken an Luise B. wie folgt: „Bemerkenswert ist die Verlegung dieses ersten Stolpersteins an eine Zwangsprostituierte. Denn bisher wurde – fast immer – verleugnet/übersehen/unbeachtet gelassen, dass es Bordelle in den Konzentrationslagern gab und das Frauen hier zu sexuellen Handlungen gezwungen wurden. So sind leider auch viele historische Belege und detaillierte Informationen verloren gegangen. Ist es die allgemeine Moral: ‚Da spricht man nicht drüber’, ist es eine Abwertung der Prostitution an sich: ‚Es sind ja nur Frauen/Prostituierte‘, die Scham: ‚Das war ein so großes Leid, dass will frau/man schnell vergessen‘ – oder – oder – oder?“

Es würde oft vergessen, dass Frauen in den KZ-Bordellen gezwungen wurden zu arbeiten sagt der BSD:

  • „das waren einmal HWG-Personen/Prostituierte, die schon vorher dem Job nachgegangen waren und einfach von der Straße weg gezwungen wurden,

  • und aus der Gruppe der KZ-Insass[inn]en wurden Frauen ausgesucht und in die KZ-Bordelle verbracht.

Es ging immer darum, bestimmten Männern einen Extrabonus zu bieten, z. B. zur Steigerung der Arbeitskraft oder um sie für die „Aufrechterhaltung der Ordnung“, also die Unterdrückung der anderen Insassen zu belohnen. Aber auch den Nazis, den Aufsehern, den Peinigern hatten sie zur Verfügung zu stehen. Die Nazis hatten schnell erkannt, wie wichtig Sexualität ist“.

Weiter: „So spät wie jetzt der erste Stolperstein an die Zwangs-Prostituierte Luise B. und damit stellvertretend für diese Gruppe der Zwangs-Prostituierten erinnert, so überschaubar ist die historische Aufarbeitung und Dokumentation – ganz zu schweigen von einem Mahnmal für sie.“