Wie beim Verfassungsschutz unterm Sofa

Wie beim Verfassungsschutz unterm Sofa

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat angeblich erst im April ein Handy des toten Informanten Corelli gefunden. Das hat der neue Vizepräsident des Inlandsgeheimdiensts am Mittwoch dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags nichtöffentlich mitgeteilt.

Das Handy sei im Sommer 2015 zufällig in einem Panzerschrank des Bundesamts für Verfassungsschutz gefunden worden. Das wären nur wenige Wochen, nachdem der NSU-Untersuchungsausschuss ein Sonderbericht zum sogenannten Vertrauensmann Corelli fertiggestellt hatte. Die Behörde habe das Handy offenbar aber erst im April 2016 Corelli zugeordnet. Das Bundeskriminalamt werte zur Zeit die gespeicherten Bilder und Kontakte aus. Der Inlandsgeheimdienst prüfe zur Zeit intern, wie bei sich dieses Telefon drei Jahre lang unentdeckt herumliegen konnte.

Der Neonazi und V-Mann mit Deckname Corelli war eine der wichtigsten Quellen des Bundesamtes für Verfassungsschutz im Umfeld der rechtsextremen Terrorgruppe NSU. Das Handy hat er im Jahr 2012 genutzt, also nach der Selbstenttarnung des NSU. Er soll es dem Bundesamt für Verfassungsschutz im selben Jahr übergeben haben, als er als Informant enttarnt wurde und in ein Schutzprogramm einstieg. Corelli starb im Jahr 2014 anscheinend an einem unentdeckten Diabetes, bevor er zum NSU vernommen werden konnte.