Wikileaks vs. Openleaks – TAZ und FREITAG zur Berichterstattung als Medienpartner von Openleaks

OpenleaksSeit der Trennung von Daniel Domscheit-Berg und Wikileaks (Sep. 2010), seiner anschließenden Veröffentlichung des Enthüllungsbuches „Inside Wikileaks“ (Feb. 2011; unter Mitarbeit einer Redakteurin der ZEIT) und der Gründung der Konkurrenzplattform Openleaks (Jan. 2011) tobt der Streit zwischen Julian Assange (Wikileaks) und Domscheit-Berg (Openleaks). In den vergangenen zwei Wochen hat diese mittlerweile einjährige und zunehmend undurchsichtige Fehde einen neuen Höhepunkt erreicht. In zahlreichen Internetforen toben zudem teilweise heftige Debatten; immer mehr Menschen scheinen sich von Openleaks und deren Sprecher Domscheit-Berg zu distanzieren.

Doch was bedeutet all dies für die Medienpartner von Openleaks? Wie gehen sie mit dem Interessenskonflikt um, zum einen neutral über diesen brisanten Streit informieren zu wollen, zugleich jedoch auch ein geschäftliches Interesse an der Plattform Openleaks zu haben, die ihnen doch in Zukunft exklusive Informationen bieten soll? Radio Dreyeckland hat bei zwei Medienpartnern von Openleaks nachgefragt:

WikileaksPhilip Grassmann, Chefredakteur von Der Freitag betont nur der Wahrheit und leaking-Idee verpflichtet zu sein. Im dem Interview begründet er auch die Veröffentlichung des Sicherheitslecks der Datei "cables.csv" im Freitag; eine Nachricht, die weltweit von Medien aufgegriffen wurde:

Anhören (Länge: 11.05 min) {audio}images/stories/audio_mp3/20110829-philippgras-14031.mp3{/audio} Download

Reiner Metzger, stellv. Chefredakteur der Taz betont, dass die Technik funktionieren muss und eine Plattform nicht an einzelnen Personen hängen dürfe. Er gibt zudem erste Infos zum Ergebnis der Testphase von Openleaks:

Anhören (Länge: 8.22 min) {audio}images/stories/audio_mp3/20110829-reinermetzg-14030.mp3{/audio} Download

Im Folgenden noch ein kurzer Überblick zu den wichtigsten Ereignissen der letzten Wochen im Streit zwischen Wikileaks und Openleaks (mit Update 02.09.) (weiterlesen):

Wikileaks vs. Openleaks – TAZ und FREITAG zur Berichterstattung als Medienpartner von Openleaks

Seit der Trennung von Daniel Domscheit-Berg und Wikileaks (Sep. 2010), seiner anschließenden Veröffentlichung des Enthüllungsbuches „Inside Wikileaks“ (Feb. 2011; unter Mitarbeit einer Redakteurin der ZEIT) und der Gründung der Konkurrenzplattform Openleaks (Jan. 2011) tobt der Streit zwischen Julian Assange (Wikileaks) und Domscheit-Berg (Openleaks). In den vergangenen zwei Wochen hat diese mittlerweile einjährige und zunehmend undurchsichtige Fehde einen neuen Höhepunkt erreicht. In zahlreichen Internetforen toben zudem teilweise heftige Debatten; immer mehr Menschen scheinen sich von Openleaks und deren Sprecher Domscheit-Berg zu distanzieren.

Doch was bedeutet all dies für die Medienpartner von Openleaks? Wie gehen sie mit dem Interessenskonflikt um, zum einen neutral über diesen brisanten Streit informieren zu wollen, zugleich jedoch auch ein geschäftliches Interesse an der Plattform Openleaks zu haben, die ihnen doch in Zukunft exklusive Informationen bieten soll? Radio Dreyeckland hat bei zwei Medienpartnern von Openleaks nachgefragt:

WikileaksPhilip Grassmann, Chefredakteur von Der Freitag betont nur der Wahrheit und leaking-Idee verpflichtet zu sein. Im dem Interview begründet er auch die Veröffentlichung des Sicherheitslecks der Datei "cables.csv" im Freitag; eine Nachricht, die weltweit von Medien aufgegriffen wurde:
11:05

Reiner Metzger, stellv. Chefredakteur der Taz betont, dass die Technik funktionieren muss und eine Plattform nicht an einzelnen Personen hängen dürfe. Er gibt zudem erste Infos zum Ergebnis der Testphase von Openleaks:
8:22

Im Folgenden noch ein kurzer Überblick zu den wichtigsten Ereignissen der letzten Wochen im Streit zwischen Wikileaks und Openleaks (mit Update 02.09.) (weiterlesen):

WikileaksMitte August hatte Domscheit-Berg gemeinsam mit 5 Medienpartnern (in Deutschland die TAZ, der FREITAG, und FOODWATCH) eine viertägige Testphase der neuen Whistleblower-Plattform Openleaks gestartet (12.-16.08). InformantInnen sollten hier die Möglichkeit erhalten, sensible Dokumente anonym zu versenden, und HackerInnen sollten zugleich die Sicherheit des Systems testen. Den Start des Tests verkündete Domscheit-Berg auf einem Camp des Chaos Computer Clubs, der ihn daraufhin überraschend aus dem Verein warf. Vordergründig wurde angegeben, dass Domscheit-Berg den guten Namen des Clubs ausgenutzt habe und man für niemanden den TÜV spielen wolle. Der tieferliegende Grund dürfte jedoch die vergebliche Vermittlungsbemühung von einem Vorstand des CCC, Andy Müller-Maguhn, zwischen Domscheit-Berg und Assange gewesen sein und dessen Verärgerung über Falschaussagen von Domscheit-Berg. So hatte Domscheit-Berg noch am 10. August u.a. gegenüber seinen Partnern von Taz und Freitag geleugnet, nach der Trennung von Wikileaks Daten mitgenommen zu haben – was sich jedoch bereits kurz darauf als Fehlinformation herausstellte. Am 21. August verkündete Domscheit-Berg dann, sämtliche 3500 mitgenommenen Dokumente und die dazugehörigen Schlüssel endgültig vernichtet zu haben, da Wikileaks nicht ausreichend für die Sicherheit der Informanten und Unbeteiligter garantieren könne. Während Wikileaks daraufhin von einem unersetzlichen Verlust sprach – so soll es sich um die Daten zur Bank of America, der US-No-fly-list und Daten zu 20 rechtsradikalen Gruppen gehandelt haben – bestreitet Domscheit-Berg, dass sich unter den von ihm gelöschten Dokumenten noch Interessantes befunden habe.

Zugleich berichtet der FREITAG am 25.08., dass eine Datei mit dem Namen „cales.csv“ samt Passwort im Internet auffindbar sei, die anscheinend sämtliche 250.000 Botschaftsdepeschen des US-Außenministeriums, die 2010 in die Hände von Wikileaks gelangt waren, im Original und unbearbeitet enthalte. Diese Datei stellt ein bedenkliches Sicherheitsleck dar, welches laut einem Bericht des Spiegel vom 28.08. durch Openleaks-Anhänger verbreitet worden sei, um den Vorwurf Domscheit-Bergs zu untermauern, dass Daten bei Wikileaks nicht sicher seien. Philip Grassmann vom Freitag betonte jedoch gegenüber RDL, dass ihre Informationen zu jener ominösen Datei nicht von Openleaks stammten (siehe Audio).

Wikileaks hat derweil Ende vergangener Woche damit begonnen, zehntausende Botschaftsdepeschen im Internet allgemein zugänglich zu machen, auf die zuvor lediglich einige große Tageszeitungen Zugriff hatten (Übersicht hier; Diskussion und Neuveröffentlichungen hier und hier). Zeitgleich machte Assange in einer Stellungnahme Anspielungen, wonach Domscheit-Berg im Kontakt mit Geheimdiensten stünde. Ob die bisher einzigartige Veröffentlichungsaktion von Wikileaks jedoch ein Versuch war, Berichten über das Sicherheitsleck zuvorzukommen, oder aber Reaktion auf eine drohende Löschung der Daten durch ein unter dem Druck der US-Regierung stehendes Serverunternehmen war - dies bleibt wie so vieles in dem Streit Spekulation. Auffällig ist jedoch, dass nach dem CCC nun auch große Teile der Netzgemeinde – zumindest wenn man die Kommentare unter den zahlreichen Artikeln zu dem Thema beachtet – deutlich auf Distanz zu Openleaks und Domscheit-Berg gegangen sind.

Update 02.09.: Wikileaks hat mittlerweile öffentlich einen Journalisten des Guardian für die Weitergabe des Passworts verantwortlich gemacht. Dieser hatte es in einem Enthüllungsbuch zu Wikileaks im Februar veröffentlicht (ACollectionOdDiplomaticHistorySince_1996_ToThe_PresentDay#). Das somit bereits lange öffentliche Passwort wurde dann in Verbindung mit Infos zu dem versteckten Archiv "cables.csv" zum drastischen Sicherheitsleck. Laut Informationen des Spiegels wurde diese Sicherheitslücke aus dem Umfeld von Openleaks bekannt gemacht (Philip Grassmann vom Freitag gibt im Interview mit RDL an, andere Quellen gehabt zu haben). Damit waren sämtliche Depeschen bereits seit zwei Tagen faktisch für alle frei zugänglich. Als Reaktion darauf hat Wikileaks nun sämtliche Depeschen unredigiert online gestellt.

Update 31.08.: Die Person, die angab der Architekt zu sein (siehe Update 30.08.) hat gestern Nacht via Twitter verkündet, dass sie nicht der Architekt sei und verweist auf folgende Erklärung; Gulli hat hierzu auch einen weiteren Artikel veröffentlicht.

Update 30.08.: Via Twitter hat sich mittlerweile eine Person gemeldet, die behauptet der "Architekt" zu sein, also der Programmierer, der gemeinsam mit Domscheit-Berg Wikileaks verließ. Er kündigte an nun auch bei Openleaks ausgestiegen zu sein. Er gibt an, dass es Backups der vermeintlich von Domscheit-Berg gelöschten Daten gibt und beschwert sich, dass Wikileaks und Openeleaks zu Ego-Projekten verkommen seien. Er wolle zukünftig für das Projekt Crypto.is arbeiten, die zumindest einen Kontakt bestätigten. Einen ersten Artikel gibt es hierzu bei Gulli - derzeit ist jedoch noch völlig offen, ob es sich tatsächlich um den "Architekten" handelt. Auf der Startseite von Openleaks wird dies zumindest im Quellcode (rechte Maustaste, dann "View page source") dementiert [Stand 14:20Uhr].