Dass Menschen die sich für eine Ausbildung entscheiden gesellschaftlich oft weniger Anerkennung erfahren als beispielsweise diejenigen, die an eine Universität gehen (können), zeigt sich an vielen Stellen: Sie profitieren weniger von Angeboten und Vergünstigungen, werden im Betrieb als billige Arbeitskräfte ausgebeutet und müssen sich häufig gegen deutliche hierarchische Machtstrukturen, auch an den Berufsschulen, durchsetzen. Mit den Azubis gegen Rechts nimmt deutschlandweit ein Bündnis an Fahrt auf, das diese Missstände nicht mehr länger hinnehmen will.
Gegründet haben sich die ersten Ortsgruppen, um den Kampf gegen die AfD von den Straßenblockaden und Demos auch in die Betriebe zu tragen. Am vergangenen Samstag dem 13. Juni traf die Ortsgruppe Azubis gegen Rechts Freiburg im Stadtteilzentrum Vauban wo sie sich berufsübergreifend miteinander austauschten und schließlich gemeinsame Forderungen erstellten. Die eigenen Bedürfnisse und strukturellen Probleme des Ausbildungssystems stehen dabei im Zentrum, denn auszusetzen gibt es vieles. Und bei allem oberflächlichen "Respekt!", den Auszubildende vielleicht mittlerweile erfahren, bleiben die bisherigen Zuwendungen von Staat und Gesellschaft eher überschaubar. Doch immer mehr werden die Auszubildenden zu einer ernstzunehmenden Größe für die über ihnen stehenden Akteure.
Die Azubis gegen Rechts sind hochmotiviert und völlig im Recht wenn sie sagen, dass dem Rechtsruck gerade in der Arbeitswelt eine Stimme entgegenzusetzen ist, welche die AfD eigentlich in große Verlegenheit bringen sollte (wenn diese sich als Partei der Arbeiter*innen wenigstens selbst ernst nehmen würde). Mit den nun formulierten Forderungen machen sich die Azubis handlungsfähig, um selbst gegen diejenigen Missstände vorzugehen, die andere sonst nur gerne vom Elfenbeinturm herunter anprangern. Die Glaubwürdigkeit all derjenigen, die vorgeben, die Probleme "von unten" lösen zu wollen, wird nun damit stehen oder fallen, wie sie auf die Forderungen der jungen arbeitenden Schicht eingehen werden.

