Was heißt eigentlich Frieden? In Mexiko herrscht offiziell kein Krieg, und doch werden Frauen getötet, ohne dass der Staat ermittelt. In Afghanistan, im Kongo und in Syrien wird über Frieden verhandelt, meist ohne die Frauen, die ihn im Alltag am Laufen halten. Und in der Westsahara gibt es seit über 50 Jahren keinen Frieden, sondern eine Besatzung, über die in Europa kaum jemand spricht. Die Sendung fragt, wer darüber entscheidet, was Frieden ist, und was er für die bedeuten würde, die nicht gefragt werden.
Die einzelnen Beiträge:
Frauen und Frieden: Wer sitzt am Verhandlungstisch?
Im Oktober 2000 verlangte der UN-Sicherheitsrat mit der Resolution 1325, Frauen an Friedensprozessen zu beteiligen. Am Verhandlungstisch sitzen sie bis heute selten, ob im Ostkongo, in Afghanistan oder in Syrien. Dabei leisten Frauen vor Ort die Arbeit, die Frieden im Alltag erst möglich macht: Sie behandeln Verletzte, vermitteln und dokumentieren Menschenrechtsverletzungen. Das Geld dafür fehlt. Im Gespräch mit Jarai Sabally und Katrina Avilla vom Frontline Women’s Fund in New York geht es darum, warum Frauen ausgeschlossen werden, was sich ändern müsste und was Frieden für sie überhaupt bedeutet.
Mexiko: Mütter ermitteln, wo der Staat versagt
In Ciudad Juárez, der Grenzstadt zu den USA, sind seit den Neunzigern Hunderte Frauen ermordet worden. Aufgeklärt wurde in dreißig Jahren so gut wie nichts. Wenn überhaupt jemand die Ermittlungen vorantreibt, dann sind es die Mütter der Ermordeten. Irma Martínez und Reyna de la Torre kämpfen um Gerechtigkeit für ihre Töchter und mussten erleben, dass ausgerechnet die Sonderstaatsanwaltschaft gegen Gewalt an Frauen sie selbst ins Visier nahm. Unsere Mexiko-Korrespondentin Dorothea Bornewasser hat die beiden getroffen und berichtet von einem Krieg gegen Frauen, der offiziell nie erklärt wurde.
Westsahara: Kreativer Protest gegen die Unsichtbarkeit
Seit über 50 Jahren ist ein Großteil der Westsahara von Marokko besetzt, und eine Selbstbestimmung der Sahrauis ist weiterhin nicht in Sicht. In Europa gilt der Konflikt um die „letzte Kolonie Afrikas“ als weitgehend unsichtbar. Junge Sahrauis in der Diaspora halten mit kreativem Protest dagegen, vor allem in den sozialen Medien. Jasmina und Mamia haben im französischen Exil die Gruppe „Association_culturesahara“ gegründet. Sie erzählen die Geschichte ihres Landes aus eigener Perspektive und zeigen, wie europäische Staaten und Konzerne die Besatzung mit aufrechterhalten.

