Kommentar Rotteckring: Die Innenstadt wächst zum Hauptbahnhof

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Die Innenstadt wächst zum Hauptbahnhof

Rotteckring Strecke_OSM

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Am 16. März feierte die Stadt bei bestem Frühlingswetter mit Konzerten und Eröffnungsreden die Einweihung der neuen Stadtbahn auf dem Rotteckring. 1,9 km neue Stadtbahnstrecke mit fünf neuen, barrierefreien Haltestellen sind seit dem Teil des Freiburger Stadtbahnnetzes. Im Gegensatz zu den zuletzt eingeweihten Straßenbahnabschnitten im Freiburger Norden zur Technischen Fakultät bzw. Gundelfinger Straße werden mit der Rotteck-Linie keine neuen Stadtteile an das Netz angebunden. Deshalb erwarte ich durch diese Strecke keinen signifikanten Anstieg der Fahrgastzahlen.

Die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Rotteckring sollten aber auch nicht auf die neue Straßenbahnlinie beschränkt werden. Wer heute die neue Strecke entlangläuft kann sich kaum noch vorstellen, dass bis 2012 sowohl in der Kronenstraße als auch über den Rotteckring eine vierspurige Autostraße führte. Aus dem 1. OG der (alten) Universitätsbibliothek führte ein Fußgängersteg über die vielbefahrene Ringstraße.

Die Verkehrsberuhigung die durch die Halbierung der Autospuren in der Kronenstraße und die Sperrung des Rotteckrings für den motorisierten Individualverkehr ist der eigentliche große Gewinn des Bauprojekts für die Stadt. Schon im vergangenen Sommer hat sich ein pulsierendes Leben auf dem Platz der alten Synagoge entwickelt. Wir können gespannt sein wie die Freiburger Bevölkerung (und die immer zahlreicher werdenden Touristen) den nun fertig gestellten Boulevard auf Höhe des Colombiparks annehmen werden. Gerade dieser Bereich ist ein gutes Beispiel dafür wie durch den Wegfall von Parkplätzen und Fahrspuren für den Autverkehr ein öffentlicher Lebensraum entsteht indem sich Menschen gerne aufhalten.

Aber nicht nur die Aufenthaltsqualität hat sich druch die Umgestalltung erhöht. Der neue Rotteckring bietet endlich eine bequeme Nord-Süd-Querung der Innenstadt für den Fahrradverkehr. Gerade unsichere Radfahrer*innen, die sich auf der Bahnhofsachse mit den vielen Verkehrsströmen nicht sicher fühlen können nun sicherer und schnell die Innenstadt queren. Gespannt sein dürfen die Freiburger*innen auf die Entwicklung der Parksituation für Fahrräder auf der neuen Strecke. Das Rad-Parkchaos rund um die Pannen-UB, das durch den Wegfall hunderter Radabstellplätze am Platz der alten Synagoge verursacht wurde, könnte sich nun durch die Fahrradständer im Umfeld der Straßenbahnhaltestelle Stadttheater entspannen. Auch das für den Sommer dieses Jahres angekündigte Fahrradverleihsystem Frelo könnte einen Beitrag zur Entspannung der Rad-Parkplatzssituation leisten. Frelo-Nutzer*innen blockieren nämlich nicht mit IHREM Fahrzeug den öffentlichen Raum. Das Rad mit dem die eine Studierende zur UB fährt kann gleich danach von einem anderen Studierenden genutzt werden um zu seiner Vorlesung ins Institutsviertel zu fahren.

Ein Wehrmutstropen ist aber die Tatsache, dass die neue Strecke am Europaplatz endet. Auch wenn es in der Praxis keinen großen Zeitverlust bedeutet, ist es für viele Nutzer*innen des ÖPNV sehr wichtig umsteigefrei zu ihrem Ziel zu kommen. Die Orte mit dem größten Publikumsverkehr an der Strecke sind wahrscheinlich die Universitätsgebäude rund um den Platz der alten Synagoge und der Schulkomplex Rotteck-Gymnasium / Angell Schulen. Leider kommen durch die aktuelle Streckenführung lediglich Schüler*innen und Studierende aus Haslach, Weingarten und dem Rieselfeld in den Genuss einer umsteigefreien Direktfahrt zu ihrem Ziel. Durch eine Weiterführung der Linie 5 bis zur Hornusstraße oder gar bis zur Gundelfinger Straße wäre der Freiburger Norden direkt an die neue Straßenbahnlinie angebunden. Auch eine neue Linie zum Beispiel aus Littenweiler über den Platz der alten Synagoge in die Vauban oder ins Rieselfeld wäre denkbar.