Hollande verzichtet auf eigenes Debakel bei der Präsidentschaftswahl

Hollande verzichtet auf eigenes Debakel bei der Präsidentschaftswahl

Der französische Präsident François Hollande wird sich nicht um eine zweite Amtszeit bewerben. Am gestrigen Donnerstag Abend erklärte er in einer Fernsehansprache, dass er auf eine Kandidatur im kommenden Jahr verzichtet. Hollande ist damit der erste französische Präsident in der 5. Republik, der sich nicht zur Wiederwahl stellt. Seit März gab ihm keine einzige Umfrage zur kommenden Präsidentschaftswahl eine Chance, auch nur in die Stichwahl zu kommen. Jüngsten Umfragen zufolge hätte nur noch rund jede zehnte Befragte für ihn gestimmt.

Trotzdem gilt seine Entscheidung als überraschend. Ende November hatte das französische Arbeitsamt zum ersten Mal seit 2012 bekanntgegeben, dass die Arbeitslosenzahlen leicht sinken. Hollande hatte am Anfang seiner Amtszeit erklärt, dass er sich nur dann zur Wiederwahl stellen würde, wenn es die Regierung schaffe, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

Die regierenden SozialistInnen wollen ihren Kandidaten wieder in einer offenen Vorwahl im Januar 2017 bestimmen, an der jede Wahlberechtigte teilnehmen darf. Französische Medien rechnen fest damit, dass der autoritäre und wirtschaftsliberale Premierminister Manuel Valls aufgrund von Hollandes Verzicht seine Bewerbung ankündigt. Als wichtigster Herausforderer wird Arnaud Montebourg gehandelt, der sich für eine stärker staatlich gesteuerte Industriepolitik einsetzt.

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Kommentar von Bernard Schmid zur Ankündigung Hollandes: 2:29