Im ostfranzösischen Luméville wurde am 19. und 20. April der seit Oktober besetzte und seit 19 Jahren genutzte ehemalige Bahnhof „La Gare“ geräumt. Rund um den Großeinsatz leisteten rund 150 AtomkraftgegnerInnen Widerstand, zogen sich aber angesichts der staatlichen Übermacht letztlich zurück. Am Montagmittag verkündete die Präfektur an Seiten der Endlageragentur ANDRA die Übernahme des strategisch gelegenen Hüttendorfs ein paar Kilometer von Bure.
Die Endlageragentur will die ehemalige Bahntrasse rehabilitieren, um ein Castorgleis zu bauen, dass für rund 100 Jahre Atommüll ins Lothringer Hinterland befördern soll. „La Gare“, dass zunächst von EndlagergegnerInnen erworben wurde, wurde in den vergangenen Jahren zum Ausgangsort zahlreicher Protestaktionen. Das selbstverwaltete und seit zwei Jahren zunehmend verbarrikadierte Gelände empfing immer wieder große Protestcamps, Konzerte, Seminare und Treffen. Zuletzt wohnten dutzende AnarchistInnen auf dem Terrain.
„Die Räumung und drohende Zerstörung unserer Wohn- und Lebensräume sind ein schmerzhafter Verlust“, so ein Besetzer, der anonym bleiben möchte. „Doch es ist nur eine Etappe im Widerstand gegen CIGEO. Wir werden uns auch in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren massiv gegen die Baustellen der ANDRA wehren. Schon kommende Woche gibt es weitere Mobilisierungen in und um Bure“.
Mit CIGEO konnten die Atomindustriellen Frankreichs unter dem Vorwand von Forschung seit der Jahrtausendwende ein Labor in der Gemeinde Bure errichten, dass mittlerweile von vielen AnwohnerInnen als „Trojanisches Pferd“ bezeichnet wird. Sämtliche Recherche in der Frage der Endlagerung hochradioaktiver Abfälle konzentrierte sich fortan auf den Landkreis. In beschleunigten und oft völlig intransparenten Verfahren wurde mittlerweile klar: Das Labor ist eigentlich ein Endlagerprojekt. Hunderte Millionen an sogenannten „Begleitzahlungen“, Polizeigroßeinsätze, ein gescheitertes Antiterrorverfahren und rund 500 Enteignungsprozeduren prägten die letzten Jahre.
Auch wenn die Präfektur nach den brennenden Barrikaden vom Wochenende, Tränengaseinsätzen und einem dutzend vorübergehender Festnahmen am Montag den Sieg verkündet, bleibt die Situation angespannt. Der Staat erklärte, dass Gelände solle nun auf Kosten der Andlageragentur umzäunt und bewacht werden. Eine erhöhte Gefahrenprognose gilt offiziell weiterhin für Teile des Landkreises. Die vom Barrikadenbau betroffene Landstraße ist auch zwei Tage nach Abschluss der Räumung des alten Bahnhofs nicht freigegeben. An den Standorten des Endlagerprojektes CIGEO und in den anliegenden Gemeinden könnte die starke Präsenz von Einsatzkräften langfristig zum Dauerzustand werden.

