Konsequenzen aus andauernden Protesten: Libanesischer Premierminister Hariri tritt zurück

Libanesischer Premierminister Hariri tritt zurück

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Demonstration in Beirut
Quelle: 
Johanna Luther

Seit dem 17. Oktober demonstrieren im Libanon unzählige Menschen, zuerst gegen eine von der Regierung vorgeschlagene Steuer auf WhatsApp, Tabak, sowie Benzin und Diesel. Trotz der Rücknahme des Vorschlags gehen die Proteste weiter und Fordern den Rücktritt der gesamten korrupten Regierung. Gestern, am 29. Oktober, ist der Premierminister Saad Hariri zurückgetreten, der Weg für weitgehende Veränderungen scheint damit offen zu sein.

Diese Ereignisse erschüttern das kleine Land. Gut 1,5 Millionen Geflüchtete aus Syrien halten sich dort auf. Die geschlossene Südgrenze wird seit dem Krieg von 2006 zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah zusätzlich von einer UN-Friedensmission kontrolliert. Im Libanon selbst leben 6 Millionen Menschen, davon etwas über die Hälfte Muslime, aber auch gut 40% Christ*innen. Laut Verfassung wird die Regierung des Landes zwingend aus Vertreter*innen der verschiedenen religösen Gruppen (davon zwölf christliche, fünf muslimische und eine drusische) zusammengesetzt.

Über die Forderungen vieler Protestierenden, welche genau diese konfessionelle Trennung überwinden wollen, die Lage im Land und die Aussichten für die Menschen nach dem Rücktritt Hariris sprachen wir im Interview mit Johanna Luther, die aktuell im Rahmen ihres Studiums (Kulturwissenschaft und Jura) für zwei Jahre in Beirut ist.