SCF Stadion am Monte Scherbelino (Flugplatz) schon tot?

Unter Druck

Blick auf Bürgerinfoversammlung 7.6.13 SCF StadionMehr als 1.000 Freiburgerinnen vor allem aus dem Freiburger Westen fanden am Freitag 7.6.2013 ab 19 Uhr ihren, zu oft motorisierten Weg in die Messehallen am Flugplatz. Die mehrheitliche Stimmung auf der städtisch anberaumten Informationsveranstaltung zum Bebauungsplanverfahren war eindeutig. Der von einer überwältigenden Gemeinderatsmehrheit avisierte Standort zu Füssen des rekultivierten Freiburger Müllbergs Monte Scherbelino bei der Landebahn des Flugplatz fand mehrheitlich - zu ca. zweidrittel - keine Unterstützung der Anwesenden.
Nicht nur die BI gegen den Platz, die reklamierte bald 2000 Mitglieder zu zählen und die diversen Interessenhalter des Flugplatzes selbst, sondern auch – mehrheitlich – der Bürgerverein Freiburg West sprachen sich gegen den Standort aus. Selbst verhaltene Befürworterinnen wie die Vorsitzende des Bürgerverein Brühl-Beurbarung wurden von einer Minderheit gnadenlos nieder gepfiffen. Wie in solch grossen Versammlungen üblich, ermangelte es nicht an populistischen Stimmungsmachern. Ein sich selbst als Bundespolizist mit Fanerfahrung der „Randale geneigten C-Kategorie“ outender brauner Anzugträger versuchte -entgen den Freiburger Erfahrungen - z.B. demagogisch mit „Lärmvermüllungen“ vor, während und nach den 18 Spielen die Stimmung an zu köcheln, um

SCF Stadion am Monte Scherbelino (Flugplatz) schon tot?

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Blick auf Bürgerinfoversammlung 7.6.13 SCF Stadion
Blick auf Bürgerinfoversammlung 7.6.13 SCF Stadion Foto:RDL

Unter Druck

Mehr als 1.000 Freiburgerinnen vor allem aus dem Freiburger Westen fanden am Freitag 7.6.2013 ab 19 Uhr ihren, zu oft motorisierten Weg in die Messehallen am Flugplatz. Die mehrheitliche Stimmung auf der städtisch anberaumten Informationsveranstaltung zum Bebauungsplanverfahren war eindeutig. Der von einer überwältigenden Gemeinderatsmehrheit avisierte Standort zu Füssen des rekultivierten Freiburger Müllbergs Monte Scherbelino bei der Landebahn des Flugplatz fand mehrheitlich - zu ca. zweidrittel - keine Unterstützung der Anwesenden.
Nicht nur die BI gegen den Platz, die reklamierte bald 2000 Mitglieder zu zählen und die diversen Interessenhalter des Flugplatzes selbst, sondern auch – mehrheitlich – der Bürgerverein Freiburg West sprachen sich gegen den Standort aus. Selbst verhaltene Befürworterinnen wie die Vorsitzende des Bürgerverein Brühl-Beurbarung wurden von einer Minderheit gnadenlos nieder gepfiffen. Wie in solch grossen Versammlungen üblich, ermangelte es nicht an populistischen Stimmungsmachern. Ein sich selbst als Bundespolizist mit Fanerfahrung der „Randale geneigten C-Kategorie“ outender brauner Anzugträger versuchte -entgen den Freiburger Erfahrungen - z.B. demagogisch mit „Lärmvermüllungen“ vor, während und nach den 18 Spielen die Stimmung an zu köcheln, umFans und Bundesliga besser auf entlegene Autobahnkreuze a la Hoffenheim und München verjagen zu können.
Gravierender – gerade für das laufenden Bebauungsplanverfahren, dem die Infoverantaltung diente – die sehr sachkundig vorgebrachten Einwände zahlreicher Freiburgerinnen: etwa die Gültigkeit des Landschaftsplan 2020 und dabei die herausragende Rolle dieses Gesamtareals als einen der fünf grünen Finger Freiburgs für die Frischluftbildung der nördlichen Stadtquartiere. Eine Funktion, die schon zu Beschränkung der Bauhöhen des Uniareals der technischen Fakultät führte.

Verwirbelungsfaktor und Klima-Killer?? Monte Scherbelino Stadionentwurf Foto: RDL
Das von den Wirtschaftsberatern des SCF und der Stadt Ernest & Young favorisierte Musterstadion am Fuss des Müllberges soll aber 25 Meter Höhe umfassen. (Die durch die Erzdiozöse Freiburg mit der Freiburger Ratzinger -Abschiedstour Station verursachten Schäden an Flora und Fauna lassen andere Naturschutzargumente zurücktreten,)
Ironischerweise zurecht, machen sich folglich die motorisierten Nutzer des Flugplatzes die Massivität des Baukörpers als Argument gegen die Sicherheit des Flugverkehrs zu eigen. Die dabei auftretenden Verwirbelungen würden Starts und Landungen von Leichtflugzeugen sicherheitsmässig beeinträchtigen. Damit stünde auch die Genehmigung als Flugplatzes in Gefahr. Gerade aber die Vereinbarkeit des Monte Scherbelino SCF-Stadions mit einem – nur leicht - nutzungsbeschränkten motorisierten Flugverkehr (die Segler müssten ohnehin verlagert werden) war aber ein zentrales Argument des Oberbürgermeisters Dieter Salomons für den Standort am Flugplatz. Erneut ins Zentrum seines länglichen Einführungsvortrags gerückt und in der Debatte immer wieder von Ihm vorgebracht.

BI Vertreter und (teil-)erstarrtes Podium am 7.6.13 Foto:RDL
Apropos Stadtverwaltung und SCF: Die über ein Jahr hinter verschlossenen Türen geführte Standort Debatte rächt sich jetzt , kommt als Bumerang zurück. Die gravierensten Argumente - für das Bebauungsplanverfahrenrelevanten - Argumente waren vorher lange bekannt. Der Baubürgermeister, der eher verhalten trocken, gelegentlich schnoddrig („Hirschmatten zu nahe an Wohnbebauung des geplanten neuen Stadtteil“), der OB mit seinen bekannt schalen Witzchen, zu oft unter der Gürtellinie, schaden auch einem eher bemerkenswert defensiven SC Freiburg Vereins Management.

Letzterem sollte – nicht nur wegen der mangelnden Mobilisierung seiner Anhänger auch und gerade mit dem Verzicht auf das schlagenste Argument ein zukunftsfähiges Stadion aus eigener Kraft zu stemmen – langsam dämmern, das im Schlafwagentempo und dem Eselsvertrauen auf die Politik nix machbar ist. Zumal wenn die Zustimmung zum alten Standort selbst im Umfeld des Freiburger Ostens mittlerweile bei 60 % liegt.
Die Stadtverwaltung mag zwar, in von der Öffentlichkeit abgeschirmten Hinterzimmern, Gemeinderäte von Ihrem ursprüngliche Standpunkt am alten Ort zu bauen weg bewegen können. Das kritische Potential einer aufgeklärten Öffentlichkeit ist so nicht einzufangen- trotz Printmonopol des Salomons Impressario Hodeige. Da werden es auch Dialogbeiräte nach diesem knapp vierstündigen eher verpatzten Auftakt es kaum noch richten können.

(kmm, 7.6.13)

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