Zum Ende des Zweiten Weltkriegs in den Kolonien: Zwangsrekrutierung, vorsichtige Liberalisierung und nahtlose Fortsetzung des Krieges

Zwangsrekrutierung, vorsichtige Liberalisierung und nahtlose Fortsetzung des Krieges

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Indian soldiers holding a Nazi flag which they had captured at Libyan Omar, December 1941
Quelle: 
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:India%2Bin%2Bworld%2Bwar%2Btwo%2B4.jpg?uselang=de

Der 8. Mai wird in Deutschland als Tag der Befreiung gefeiert. In vielen anderen europäischen Ländern wird am oder um den 8. Mai ebenfalls das Ende der Kriegshandlungen begangen. Wie willkürlich und teilweise auch falsch dieses Datum ist, wird schon beim Blick auf die nicht-europäischen Kriegsschauplätze deutlich: Am bekanntesten ist vielleicht der Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki im August 1945.

Um den Zweiten Weltkrieg in seiner Dimension und in seinen Auswirkungen wirklich erfassen zu können, braucht es aber auch eine postkoloniale Perspektive. Nicht nur die Soldaten aus den Kolonien, die, größtenteils zwangsrekrutiert, im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland beteiligt waren, werden oft genug vergessen. Auch die massiven Auswirkungen der Kriegswirtschaft auf die Kolonien und die Entwicklungen der unmittelbaren Nachkriegszeit bleiben in einer europäischen Geschichtsschreibung meist außen vor. Dabei, so der Erfurter Historiker Florian Wagner, ist das koloniale Projekt ein Hauptfundament europäischer Nationen auch in den 1930ern und 1940ern. Während im Krieg gegen Deutschland und die Achsenmächte Argumente wie Demokratisierung und Freiheit zählten, blieb die Aussicht darauf für die Kolonien äußerst begrenzt.

Anlässlich des Tags der Befreiung haben wir Florian Wagner über die Kolonien im und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg gesprochen.