"Der bürgerliche Putsch möchte die Bibel im Regierungspalast implementieren": "El golpe cívico quiere poner la biblia en el Palacio"

"El golpe cívico quiere poner la biblia en el Palacio"

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Wiphala
Der Nationalflagge gleichgestellt: Die Wiphala der Aymara als Symbol der gesamten indigenen Bevölkerung
Quelle: 
Wikimedia Commons (Magasjukur2)

Über den Umweg unserer Korrespondentin Anna Fünfgeld erreichte uns das folgende Audio aus Bolivien von Adriana Guzmán von der Bewegung Feminismo Comunitario Antipatriarcal (Gemeinschaftlicher antipatriarchaler Feminismus)

AUDIO EN CASTELLANO: 7:33

Auf Deutsch: 7:28

Adriana: Liebe Genossinnen, liebe Schwestern,

ich weiß, daß es viele verwirrende Informationen aus Bolivien gibt. Deshalb versuchen wir zu informieren und ich rufe Euch dazu auf, uns zu begleiten und weiterhin öffentlich anzuklagen. Zuerst ist es wichtig, daß feststeht: das was hier stattfindet, ist ein Putsch. Ein Staatsstreich und ein Angriff auf die sozialen Organisationen. Es ist ein fundamentalistischer und bürgerlicher Putsch, angeführt von bürgerlichen und unternehmerischen Organisationen, Großgrundbesitzer*innen und Oligarch*innen aus dem Osten des Landes. Der Putsch möchte die Bibel in den Palacio del Gobierno, den Regierungssitz, implementieren das Land in die Hand von Gott geben und all dies. Es ist ein zutiefst rassistischer Putsch, denn er sucht und identifiziert gezielt Frauen und Männer der ursprünglichen Bevölkerung in den Organisationen verpaßt ihnen einen Denkzettel. Des Nachts werden alle Regimenter der Polizei aufgehetzt. Mit Ausnahme ihrer eigenen Sektoren schließen sie sich dem Putsch an.

Sie fordern den Rücktritt von Evo Morales. Die Polizei schützt die Städte nicht mehr. Letzte Woche hat das Militär eine Erklärung abgegeben – sie haben versucht, ihren Kommandanten zu verleugnen und danach haben sie eine Erklärung abgegeben, sie würden nicht abziehen und die Leute nicht mehr schützen. Das heißt, sie gehen komplett mit dem Putsch der bürgerlichen Leute, Unternehmer*innen und Oligarch*innen mit. Was hier gerade nicht verbreitet/veröffentlicht/bekannt gegeben wird, weil die Medien den machthabenden Gruppen gehört ist, daß es ein rassistischer und bürgerlicher Putsch ist: Die Sitze von Organisationen der Kleinbäuer*innen und Indigenen werden angezündet, die Orte und Sitze sozialistischer Organisationen, ebenfalls. Die Häuser der indigenen Führungspersonen werden angezündet, die Die Häuser der Leiterinnen und Leiter sozialer Organisationen werden angezündet, unsere Schwestern – WIR werden verfolgt. Sie verfolgen uns auf der Straße und versuchen, uns einzuschüchtern. Und wir versuchen zu widerstehen. Diese bürgerlichen Gruppen, die vorgeben, daß sie damit die Demokratie zurückgewinnen wollen – was falsch ist, denn wir haben nicht in einer Diktatur gelebt – tun so, als seien sei Organisationen des zivilen Widerstands. Das ist falsch, denn sie sind bewaffnet, sie haben Knüppel, sie haben Helme, Schilder, Gas und Sprengstoff. Sie benutzen außerdem auch sexualisierte Gewalt als Waffe. Ich glaube, sie nutzen diese Waffen, um einen zivilen Putsch anzustoßen. Aber vergeßt nicht, daß dahinter die Waffen der Polizei und Militärs stehen!
Sie führen hier also ein großes Theater auf. Dieser Staatsstreich generiert Gewalt und Terror, es gibt eine kollektive rassistische Bestrafung der indigenen und kleinbäuerlichen Organisationenen. Sie haben den CSUTCB, [setsutsebe] la confederacion sindical unica de trabajadores campesino de bolivia eingenommen und dort einen Journalisten festgebunden, der Geschäftsführer des Radios, welcher noch on Air war. Er wurde entführt und ist immer noch vermißt, die CSUTCB wurde geplündert und verwüstet. Und noch dazu wurde die Wiphala, die dort gehißt war, abgehängt, dafür wurde die Bandera tricolor, die Flagge Boliviens, aufgehängt. Sie haben die Whiphala zerstört und die Nationalhymne gesungen. Das haben sie in allen indigenen Organisationen gemacht. Die Wiphala heruntergeholt und verbrannt und dann die Nationalflagge gehißt. Wiphala (bandera de la cultura aymaraDas Wiphala von Qullasuyu, ein traditionelles Symbol der indigenen Andenvölker, ist seit der Verfassung von 2009 neben Flagge und Wappen ein offizielles Nationalsymbol des Plurinationalen Staats Bolivien) verbrannt und ihre eigene Flagge gehißt. Das ist eine kollektive Bestrafung der Indigenen, das ist rassistisch und kolonialistisch. Das ist eine Hetze auf soziale Organisationen und das zeigen die Medien nicht. Das einzige, was gezeigt wird, ist, daß die Gewalt angeblich alleine von der Regierung gemacht wurde. Derzeit hat die Regierung weder Unterstützung von Polizei noch vom Militär. Wir, die sozialen Organisationen, sind gerade dabei, uns zu reorganisieren um zu widerstehen. Die Organisationen, die am meisten Druck ausüben können, sind diejenigen, die um die Städte herum sind. Das sind die kleinbäuerlichen indigenen Organisationen. Die [setsutsebe] CSUTCB spricht davon, daß es eine Belagerung geben wird, daß sie die Wasserversorgung abschneiden will. Das wird uns wahrscheinlich wieder als Gewalt ausgelegt, aber Wir haben keine andere Möglichkeit. Was wir wollen ist, daß luis fernando carmacho aus Santa Cruz verschwindet. luis fernando carmacho ist derjenige, der diesen bürgerlichen Putsch anführt. Er ist ein rechter, rassistischer, christlich-fundamentalistischer nationalistischer Anwalt. Alle Leute, die im bürgerlichen Kommitee von Santa Cruz auftauchten, haben die Stadt eingenommen. Das haben wir nicht erwartet, wir haben das nicht kommen sehen. So viele Leute haben plötzlich die Institutionen, das nationale Fernsehen, die freien Radios mit Gewalt und Terror eingenommen.

Ich bitte Euch, berichtet darüber, daß dies ein Staatsstreich ist, der indigene Frauen und Männer verfolgen läßt, die sozialen Organisationen bestaft. Wir brauchen den internationalen Druck, die öffentliche Anklage. wir antipatriarchale feministinnen glauben, die Rechte will keinen Dialog. Daher sehen wir dies als unzeitgemäß an. Die Rechte will uns ärgern und uns entwürdigen, unter den schlimmsten vorstellbaren Umständen. Das ist die Strafe für das ganze Land, damit es weiter existiert auf Basis des Kolonialismus und des Rassismus, geleitet von der Oligarchie und den Unternehmen.

Danke Schwestern!