AfD-Beilage im Freiburger Sonntag: Pressefreiheit verteidigen. Keinen Fußbreit der AfD.

Pressefreiheit verteidigen. Keinen Fußbreit der AfD.

Anti-Nazi-RDL.jpg

Lizenz: 
CC Attribution, Non-Commercial, Share Alike
Quelle: 
Radio Dreyeckland

Der Badische Verlag hat seiner kostenlosen Wochenendzeitung "Der Sonntag" das AfD-Blatt „Stadt im Blick“ beigelegt. Das hat viele Leser*innen sehr verärgert. Auch wir Radiomachenden können die Entscheidung der Kolleg*innen nicht nachvollziehen. Weder die erste Erklärung des Badischen Verlags noch der anschließende Artikel von Verleger Wolfgang Poppen und Chefredakteur Thomas Fricker stellen einen adäquat en Umgang mit der Thematik dar. Dass der Tenor „Wir nehmen die Werbung aller für Wahlen zugelassenen Parteien entgegen (…). Die AfD ist eine zugelassene Partei, die einen Teil der Wähler der Bundesrepublik auf Bundes-, Länder- oder kommunaler Ebene in Parlamenten repräsentiert“, gegenüber einer Partei mit faschistischen Bestrebungen nicht angemessen ist, sollte beim Blick auf die Geschichte der  NSDAP deutlich werden. Es ist befremdlich, dass der Badische Verlag erklärt, man nehme keine Werbung an, die rassistische Inhalte enthalte, dann aber eine Beilage verbreitet, in der Geflüchtete als “Fracht” bezeichnet werden und von „Überfremdung“ gesprochen wird. Die Entscheidung, das AfD-Blatt zu verbreiten war aber auch - das mag auf den ersten Blick paradox klingen - im Sinne der Verteidigung der Pressefreiheit eine fatale Entscheidung. Wer Werbung von Dubravko Mandic verbreitet, der SWR Journalist*innen drohte, sie aus den Redaktionsstuben zu vertreiben, verhält sich auch gegenüber anderen Pressevertreter*innen extrem unsolidarisch. Der Badische Verlag verharmlost so die Gefahr, die von Drohungen gegen Journalist*innen ausgeht und die sich ganz aktuell z. B. bei zahlreichen Übergriffen, auch auf Journalist*innen von Radio Dreyeckland, bei den sogenannten Querdenken-Protesten manifestieren. Unter allen Medienmachenden sollte Konsens sein, dass man denjenigen, die die Pressefreiheit abschaffen wollen, keine unkritische Bühne bietet.

Auch wenn die Freiburger Jungparteien in ihrem offenen Brief berechtigte Kritik an der BZ üben, tappt eine Forderung des Rings Politischer Jugend ebenfalls in die Falle der Rechtsradikalen: „Die BZ soll ihre Reichweite nutzen, um über alle Falschnachrichten, die sie durch die Werbung verbreitet haben, in Form von echten journalistischen Inhalten aufzuklären.“ Würde die BZ nach dieser Forderung handeln, würde sie sich erneut die Agenda von der AfD bestimmen lassen.

Wir hoffen sehr, dass die Stimmen innerhalb der BZ, die den Tabubruch durch den Badischen Verlag ebenfalls kritisieren, das auch öffentlich kundtun. Die bisherigen Erklärungen vom Verlag und der Chefredaktion zeugen leider von wenig Reflexion.

Pressefreiheit verteidigen. Keinen Fußbreit der AfD.

-----------------

Werbung in eigener Sache:

Bei uns gibt es keine AfD-Beilage. Jetzt freies, antifaschistisches Radio unterstützen! Z.B. Mitglied oder Mietpat*in werden.