Gegen den Willen der israelitischen Gemeinde und ohne auf die Anhörung im Gemeinderat zu warten: Stadt Freiburg hat begonnen, Reste der Alten Synagoge abzureißen

Stadt Freiburg hat begonnen, Reste der Alten Synagoge abzureißen

AbbauAlteSynagoge.JPG

Quelle: 
Foto RDL

zu den Online Petitionen.

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Wie erwartet - beziehungsweise befürchtet - hat die Stadt Freiburg bereits am heutigen Mittwoch morgen damit begonnen, den Abtransport der Fundamente der Alten Synagoge zu organisieren. Momentan (14 Uhr) werden Steine nummeriert und auf Paletten zum Abtransport gelegt. Das städtische Pressereferat bestätigte den heutigen Beginn des Abbaus gegenüber RDL: Die Steine würden abgetragen, "um sie zu behandeln und zu konservieren, weil die Witterung es nicht länger zulässt, dass man sie da liegenlässt". Danach würden sie erst einmal zwischengelagert, also auf jeden Fall von ihrem ursprünglichen Platz entfernt.

Damit hält die Stadtverwaltung ihren Plan ein, heute mit der endgültigen Ausradierung der Alten Synagoge zu beginnen. Damit handelt sie gegen den Willen der israelitischen Gemeinde und schafft vollendete Tatsachen, noch bevor sich der Gemeinderat am 15.11. mit einem neuen Antrag der Fraktionen Unabhängige Listen und JPG über alternative Baumassnahmen für die Alte Synagoge befassen kann. Die Gemeinderatsfraktion der Unabhängigen Listen hatten noch am gestrigen 1. November ausdrücklich einen Baustopp gefordert hat, "um keine vollendeten Tatsachen vor dieser Sitzung zu schaffen"; die Jusos Freiburg haben sich dieser Forderung sinngemäß angeschlossen. Die Stadt sieht laut Pressestelle in ihrem Vorgehen keinen Widerspruch zu diesen Forderungen aus dem Gemeinderat, denn schließlich sei der Abbau der Mauerreste "nichts Irreversibles".

Die Unabhängigen Listen zeigen sich in einer Pressemitteilung "fassungslos darüber, dass die Stadtspitze eine Woche vor dem Jahrestag der Pogromnacht am 9.11., über den Willen der Jüdischen Gemeinde und Teilen der Stadtgesellschaft hinweggeht, indem sie heute bereits die drei Reihen der Synagogen-Mauer abträgt, die dem geplanten Wasserbecken hinderlich sind. Wem will die Stadt denn weiß machen, dass diese Steinreihen aus konservatorischen Gründen unbedingt sofort entfernt werden müssen? Sie sind in den letzten Tagen nicht zerfallen, nicht in den letzten 80 Jahren und sie würden auch nicht bis Mitte November zerfallen." Und weiter: "Es ist mehr als befremdend, wie die Stadt nun mit der Bitte der Jüdischen Gemeinde und unserem Antrag auf diesen kurzen Aufschub der Bauarbeiten bis zur Gemeinderatssitzung umgeht."

Nach den Beobachtungen des Historikers Markus Wolter (der auch an einer Petition gegen die Pläne der Stadt Freiburg in Bezug auf die Alte Synagoge beteiligt ist) waren Frank Uekermann, Leiter des Freiburger Tiefbauamts und Martin Haag, Baubürgermeister von Freiburg bei der Nummerierung vor Ort anwesend. Von der Freiburger Aussenstelle des Landesamtes für Denkmalpflege sei jedoch niemand da gewesen. Von der Freiburger Parteipolitik waren lediglich Gregor Mohlberg von der Linken und Partei-Stadtrat Simon Waldenspuhl (JPG) vor Ort. Es sei noch unklar, wohin die Steine abtransportiert und gelagert werden sollen.

(mc/jw/fk/kmm)