Ich bin die Stimme meiner ausgerotteten Familie.: Carmen Spittas Schulbesuche in Freiburg

Carmen Spittas Schulbesuche in Freiburg

IMG_2617_FAIRburg_Spitta_Staudi_RDL.jpg

Carmen Spitta und Jenny Warnecke stehen in der Staudinger Gesamtschule in Freiburg
Carmen Spitta (l.) erzählt in Freiburger Schulen ihre Familiengeschichte.
Lizenz: 
Keine (all rights reserved)
Quelle: 
FAIRburg / Leyla Liebrecht

Carmen Spitta, die Frankfurter Sinti-Aktivistin, hat am 5. November am Theodor-Heuss-Gymnasium und am 6. November 2025 an der Staudinger Gesamtschule ihre Familiengeschichte erzählt. Am THG waren alle vier 10ten Klassen anwesend. Es gab viele Rückfragen, auch zu Carmens Onkel Rudi, der mit dreizehn Jahren in Auschwitz durch kriminelle Versuche von Josef Mengele ums Leben kam. In der Staudinger Gesamtschule waren insgesamt fünf zehnte und elfte Klassen anwesend. Erst haben wir gemeinsam den kurzen Film über Carmen Spittas Reise nach Auschwitz gesehen (Link s.u.). Dann hat die Zeitzeugin über sich und ihre Familiengeschichte in "schwarz-weißen Bildern" erzählt: Tote, Tote, Tote. Im Anschluss haben die Schüler:innen Fragen gestellt. Einige Schüler:innen sind hinterher mit noch mit Carmen Spitta ins Gespräch gegangen. Im Interview reflektiert Carmen Spitta über die beiden Schulbesuche in Freiburg. 

Während der Schulbesuche gab es die Vorführung eines kurzen Films der Deutschen Welle über Carmen Spittas Aufarbeitungsreise nach Auschwitz mit dem Titel „Meine Ermordete Familie. Sinti und der Hololaust“ von Dáša Raimanová.

Link zu dem durch die Deutsche Welle finanzierten und öffentlich zugänglichen Film: "Meine Ermordete Familie. Sinti und der Hololaust"

Die Veranstaltung wurde von FAIRburg organisiert, begleitet und moderiert. 
Wir danken für die finanzielle Unterstützung durch das Programm Demokratie leben der Stadt Freiburg.

Kurzbiografie – Carmen Spitta
Carmen Spitta, geboren 1970, gehört der dritten Generation nach dem Holocaust an. Ihre Familie überlebte nur knapp die nationalsozialistische Verfolgung: Die Großmutter Rosa Keck wurde aus Belgien nach Auschwitz-Birkenau deportiert und später im KZ Bergen-Belsen befreit. Ihre Tochter, Melanie Spitta, litt ihr Leben lang unter den Folgen der Lagerhaft, engagierte sich aber als Filmemacherin und Aktivistin maßgeblich für die Anerkennung des Völkermords an den Sinti und Roma und gilt als Pionierin der Bürgerrechtsbewegung.

Carmen Spitta wuchs mit einem offenen Umgang über die Geschichte ihrer Familie auf – „bei uns saßen Mengele, Ritter und all die anderen Verbrecher quasi mit am Frühstückstisch“, beschreibt sie ihr Aufwachsen. Sie lebte unter anderem in Argentinien, Costa Rica und Spanien, arbeitete beim Film und führte später ein Restaurant in Frankfurt am Main.

Heute setzt sie sich für eine würdevolle Erinnerung an ihre Familie und das filmische Erbe ihrer Mutter ein. Ebenso engagiert sie sich sozial – für Tiere und für obdachlose Menschen in ihrem Umfeld. Trotz der Belastung durch das transgenerationale Trauma begegnet Carmen Spitta dem Leben mit Offenheit, Warmherzigkeit und Lebensfreude.