Staatliche Selektion 'guter' und 'schlechter' Flüchtlinge greift: Helfer*innenvereine als Komplizen von Rom*nija-Abschiebungen?

Helfer*innenvereine als Komplizen von Rom*nija-Abschiebungen?

kein mensch ist illegal

Bild: deportationairpark.blogsport.de
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Ein minderjähriger Junge bleibt allein zurück, während beide Eltern und die Geschwister abgeschoben werden. Seine Mutter ist traumatisiert von einem Pogrom, bei dem ihre Großmutter nach einer Brandstiftung im eigenen Haus verbrannte, doch Schutz erhält sie in Deutschland nicht. Und ein lokaler Asylhelferkreis unterstützt nicht, sondern schwärzt die Familie beim Petitionsausschuss mit antiziganistischen Phrasen an. Und niemand regt sich auf, nicht einmal in den Schulen der Kinder. Ein dramatischer Fall, der sich Mitte Dezember 2017 im Kreis Warendorf (Münsterland) ereignete. Und doch einer von vielen zur Zeit, wo aus Nordrhein-Westfalen ebenso wie aus Baden-Württemberg monatlich mehrere Sammelcharter mit abgeschobenen Menschen in die "Westbalkanstaaten" starten und Menschen aus diesen Ländern in Deutschland immer weiter entrechtet werden. Viele von ihnen gehören Roma-Minderheiten an. Wo bleibt der Aufschrei? Warum scheint das kaum jemanden zu interessieren, obwohl das Thema Flüchtlinge doch in aller Munde ist? Wir sprachen mit Eva Weber von der Forschungsstelle Flucht und Migration, die die Petition für die Familie eingelegt hatte. 

Im ersten Teil geht es um die Entrechtung von Menschen aus den Balkanstaaten in der BRD und das Desinteresse an der Problematik. Zuerst fragten wir nach der Rolle des 'Deutsch-Ausländischen Freundeskreises', der die Familie angeschwärzt hatte.

Im zweiten Teil geht es um die Geschichte der abgeschobenen Familie selbst, ihre Fluchtgründe und ihre Odyssee nach der Flucht.

Weiter Facetten des Falls, Näheres zur Situation der Familie heute im Kosovo und Informationen, wie sie dort unterstützt werden kann, finden sich hier.

Update: Inzwischen ist vor dem Hintergrund dieses Falls noch ein neuerer Text auf ffm-balkan.org erschienen: ein "Diskussionsangebot, in dem versucht wird, der Frage nach der Einbindung links-alternativer Kreise der Flüchtlingshilfe in die staatlich verordnete Segregationspolitik auf den Grund zu gehen".